Protokoll der AG Indikatoren, 15./16. Februar 2008
Anwesende: Dr. Alexander Bittner; Dr. Inka Bormann; Blanka Göttsche (nur Freitag); Jürgen Kopfmüller, Thomas Krikser; Christine Künzli; Konrad Kutt (nur Freitag), André Schäfer; Oliver Wendenkampf; Mechthild Lensing (nur Freitag)
Moderation: Ilona Böttger
Freitag 15. Februar 2008
Nach einer Eröffnungsrunde, in der die Teilnehmenden der Arbeitsgruppe sich vorstellten und erklärten welche Kenntnisse sie zur Diskussion über Indikatoren einbringen könnten, begann zunächst eine Diskussion über den Bericht der Bundesregierung zur Bildung für nachhaltige Entwicklung. Es wurde schnell deutlich, dass eine Neuausrichtung des Berichts hin zu einer indikatorengestützten Berichterstattung als Ziel angesehen werden muss.
Die Fragen, die daraufhin zunächst diskutiert wurden, richteten sich in erster Linie an die Ziele des Berichts, und an das gewünschte Ergebnis, das mit Indikatoren erreicht werden soll. Da es sich um einen Bericht der Bundesregierung handelt, und der Bericht somit einen Überblick über die unterschiedlichen und vielfältigen Tätigkeiten der Bundesregierung liefert, wurde zunächst angemerkt, dass der Bericht lediglich von Abgeordneten gelesen werden könnte und somit keine weitreichende Wirkung erzielt. Dem konnte entgegen gehalten werden, dass sich die Akteure im Bereich BNE durchaus auf den Bericht beziehen, zumal er in dieser Legislaturperiode nicht ausschließlich als Bundestagsdrucksache, sondern auch lesefreundlich gestaltet gedruckt werden soll.
Über die Frage, was mit Indikatoren gezielt erreicht werden soll, wurde an diesem Abend nicht abschließend diskutiert. Dennoch wurden noch am Freitag wichtige Fragen festgehalten, die für den anschließenden Samstag als Diskussionsgrundlage dienen sollten. Welche Indikatoren gibt es bereits? Welche Indikatoren sollten noch erhoben werden? Auch erste Beispiele konnten gesammelt werden, die zum Teil noch am Freitag zum Teil auch am Samstag diskutiert wurden.
Zu diesen Beispielen diente eine Diskussionsgrundlage von Herrn Kutt für den Bereich der beruflichen Bildung, die bereits anwendbare Indikatoren beinhaltete und im Bereich der beruflichen Bildung eine Orientierung für die weitere Diskussion liefert. Zudem wurden erste Überlegungen geäußert, inwiefern man die bisher ausgezeichneten Dekade-Projekte als Indikatoren heranziehen könnte. Zudem wurde eine stärkere Einbeziehung von NGOs in die indikatorengestützte Berichterstattung gefordert und die geplante Einbeziehung der Bundesländer in den Bericht begrüßt.
16. Februar 2008
Zu Beginn des Tages erläuterte Herr Krikser in einem kurzen Input die Ebenen des BNE-Berichtes und stellte fest, dass es sowohl auf der Mikro-, als auch auf der Mesoebene verschiedene Indikatoren gibt, die für den Bericht der Bundesregierung verwendbar sind. Herr Krikser verwies bei seinem Input auf die Erhebungen von Prof. Kuckartz zum Umweltbewusstsein, auf die Anzahl der Transferschulen und auf den von Prof. de Haan herausgegebenen Studienführer Nachhaltigkeit, der hinreichende Daten zum nachhaltigen Lehrangebot an Hochschulen liefert. Als Problem konnte in diesem Zusammenhang die Evaluation der staatlichen Einrichtungen identifiziert werden.
In einer ersten Diskussionsrunde wurde diese Einschätzung geteilt, jedoch darauf verwiesen, dass eine strategische und kontinuierliche Abfrage nötig ist, um Indikatoren auf der Makroebene aufzubauen. Auch der geäußerten Befürchtung, dass Abfragen nicht von allen Akteuren beantwortet würden, wurde mit dem Verweis auf das Interesse der Akteure in dem Bericht präsent zu sein widersprochen.
Im anschließenden Input stellte Frau Dr. Bormann die bisherigen Bemühungen der UNESCO und der UNECE im Bezug auf eine indikatorengestützte Evaluation der UN-Dekade vor. In Ihrem Vortrag "Wissen in und Wissen durch Indikatoren. Möglichkeiten und Grenzen." erläuterte sie zunächst wie die UNECE Ihr Indikatorenset zur Dekade aufbaut und welches Indikatorenverständnis dieser Struktur zugrunde liegt. In ihrem Vortrag wurden auch die verschiedenen Ebenen der Bildungsberichtserstattung, die eine klare Trennung benötigen, nochmals deutlich. In der anschließenden Diskussion bezog sich die Arbeitsgruppe überwiegend auf die von der UNECE festgehaltenen Ziele der Strategie:
- Sicherstellen, dass politische, regulative und operationale Rahmenbedingungen existieren
- Unterstützung nachhaltiger Entwicklung durch formale, nicht- und non-formale Bildung
- Entwicklung von Kompetenz für Lehrende im Bereich BNE
- Angebot von Forschung und Entwicklung im BNE-Bereich
- Zugänglichkeit von Instrumenten und Materialien für BNE
- Kooperation im BNE-Kontext auf allen Ebenen der UNECE-Region
???Großansicht des Bildes???Sammlung der Vorschläge © Berliner Arbeitsstelle der UN-DekadeBildende
In diesen Zielen wurde die Möglichkeit erkannt konkrete Indikatoren zu diskutieren, die für die folgenden Berichte der Bundesregierung wünschbar wären. Die wichtigsten sollen an dieser Stelle genannt werden. Auf der Moderationswand (siehe Bild) wurden alle Vorschläge gesammelt.
Zu Punkt 1:
- Evaluation der Kerncurricular der Länder
- getrennt nach Bildungsbereichen
- Inklusive Evaluation der Lehrer/innenbildung
- Anzahl der Institutionen, die sich einem Zertifizierungsprogramm unterworfen haben
Zu Punkt 2:
- Wie viele Förderungen sind in BNE Projekte geflossen?
- Diese zunächst einfach klingende Frage wurde intensiv diskutiert. Herr Bittner machte deutlich, dass es nur schwer messbar ist, da die BNE kein Schlagwortbegriff bei Ministerien und Stiftungen ist. Insofern können diese Daten kaum erbracht werden. Zudem sind die einzelnen Bestimmungen bei verschiedenen Trägern nicht eindeutig, sodass eine Definition von BNE bei Förderungen nicht eindeutig ist.
- Es wurde daraufhin diskutiert, ob eine Änderung der Verschlagwortung im Sinne der BNE-Berichterstattung möglich ist.
- Kooperationen mit der Wirtschaft
- Förderung und Existenz von Kampagnen
Zu Punkt 3:
- Netzwerke zur Fortbildung
- Genaue Zahl der Teilnehmenden
- Welche freien Träger gibt es?
- Besondere Berücksichtigung der Berufsbildung und der Lehrer/innen
Zu Punkt 4:
- Studien zum Kompetenzerwerb
- Analyse von Forschungsprojekten
- Welche Rolle Spielt BNE bei Ausschreibungen?
Zu Punkt 5:
- Gibt es Zielgruppen, denen die Instrumente nicht zugänglich sind?
- Welche Zielgruppen werden z.B. durch Dekade-Projekte erreicht?
- Existieren bestimmte Instrumente für bestimmte Gruppen?
Zu Punkt 6:
- Gibt es interministerielle Arbeitsgruppen?
- Gibt es internationale Netzwerke?
- Welche Bedingungen gibt es für Kooperationen?
Zum Ende der Diskussion wurde festgehalten, dass eine Orientierung an den sechs Punkten der UNECE-Strategie für den Bericht der Bundesregierung äußerst ertragreich sein könnte. Auch wenn die einzelnen Akteure keine quantitativen Daten zu denn einzelnen Zielen liefern können, so ist eine Einschätzung anhand dieser Punkte eine ernstzunehmende Richtlinie, durch den der Bericht eine Vergleichbarkeit, sowohl zwischen den Institutionen, als auch in einer Zeitreihe liefern kann. Es wurde angestrebt, dass sich bereits der Bericht 2008, sofern dies noch möglich ist an diesen Richtlinien orientieren sollte und eventuell erste Indikatoren aufzunehmen sind. Zudem sollte weiterhin über die Entwicklung von Indikatoren in diesem Bereich diskutiert werden. Aus der AG haben sich daher bereits erste Personen bereiterklärt die weitere Entwicklung von Indikatoren im Bereich BNE inhaltlich zu begleiten.
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