Jahresthema 2011: Stadt
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Die meisten Menschen leben in Städten und es werden stetig mehr. In der Stadt verdichten sich Herausforderungen der nachhaltigen Entwicklung: Ob Mobilität oder Flächenverbrauch, Klimaschutz oder Demographie, all diese Handlungsfelder spielen im Lebensraum Stadt eine große Rolle. Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) kann am Beispiel der Stadt zahlreiche Aspekte der Nachhaltigkeit thematisieren und dabei auch Kompetenzen wie die Fähigkeit zur Partizipation vermitteln.
Nachhaltigkeit und Bildung für nachhaltige Entwicklung
Jeder Mensch soll faire Chancen auf ein erfülltes Leben bekommen – hier bei uns wie auch die Bewohner anderer Erdteile und nicht zuletzt kommende Generationen. Das ist der Kerngedanke der Nachhaltigkeit. Dafür ist eine wirtschaftlich, sozial und ökologisch ausgewogene Entwicklung wichtig. Am Anfang steht die Erkenntnis: Was ich heute tue, hat Einfluss auf die Welt von morgen. Was ich hier tue, hat Einfluss auf andere Teile der Welt. Nachhaltige Entwicklung funktioniert nur, wenn sich jeder für eine menschenwürdige Gesellschaft einsetzt. Die notwendigen Fähigkeiten dazu - etwa Teamfähigkeit oder interdisziplinäres Denken - vermittelt Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE). Mit der UN-Dekade "Bildung für nachhaltige Entwicklung" (2005-2014) haben sich die Staaten der Vereinten Nationen verpflichtet, diese Art des Lernens in ihren Bildungssystemen zu verankern.
Zahlen und Fakten
Die Stadt bietet Lebensraum für Tausende von Menschen. Seit 2007 lebt erstmals die Mehrheit der derzeit rund 6,8 Milliarden Menschen in Städten – die Stadtbevölkerung wächst prozentual noch erheblich schneller als die Weltbevölkerung. Bis zum Jahr 2030 wird die Zahl der Stadtbewohner von heute rund 3,5 auf etwa 5 Milliarden Menschen wachsen. In Afrika und Asien wird sich die Zahl der Stadtbewohner in den nächsten Jahren sogar verdoppeln.
Herausforderungen...
Auf räumlich relativ engem Raum verdichten sich in den Städten viele Probleme: In den wachsenden Staaten Asiens und Afrikas wird in großen Ballungsräumen Wohnraum knapp, der Flächenverbrauch im Umland der Städte steigt, zunehmender Verkehr belastet die Innenstädte, Einwanderungsgesellschaften verlangen nach sinnvollen Konzepten, um Migranten zu integrieren. In den Industrienationen führt der demographische Wandel dazu, dass wir neue Möglichkeiten für die wohnortnahe Versorgung ältere Menschen benötigen. Städte spielen auch unter Klimaschutz-Gesichtspunkten in doppelter Hinsicht eine wichtige Rolle: Städte sind die Hauptverursacher von Kohlendioxid-Emissionen. Umgekehrt werden besonders Städte unter den Folgen des Klimawandels zu leiden haben, da ein Großteil von ihnen an der Küste oder an Flüssen gebaut wurde. All diesen Herausforderung muss Stadtplanung heute begegnen.
... und Chancen
Zugleich sind Städte als Zentren von Kultur und Wissenschaft auch diejenigen Orte, an denen am ehesten Lösungen für die Herausforderungen der Nachhaltigkeit entwickelt werden. Innovationen, Reformen und Revolutionen – in der Geschichte der Menschheit sind sie meist in Städten entstanden.
Außerdem haben Bürger gerade auf kommunaler Ebene die Chance, sich aktiv für das Gemeinwesen einzubringen und sich zu engagieren. Kommunen sind die Schnittstellen zwischen dem einzelnen Menschen und dem Staat. Eine Bildung für nachhaltige Entwicklung muss deshalb neben den zahlreichen Themen nachhaltiger Stadtentwicklung vor allem die Partizipationsfähigkeit des Einzelnen in den Blick nehmen.
Das Leitbild der nachhaltigen Stadt
Gemäß dem Leitbild einer nachhaltigen Stadtentwicklung soll die zukunftsfähige Stadt nicht zuletzt Folgendes erfüllen:
- Ein ressourcensparendes, umweltgerechtes Lebensumfeld
- Eine gerechte und umweltschonende Mobilität
- Gerechte Versorgung der Bürger z.B. mit Strom, Wasser und anderen Gütern
- Vorausschauendes Verwaltungshandeln (Local Governance)
- Zukunftsfähige lokale Wirtschaft
- Verantwortungsvoller, generationengerechtes Wirtschaften mit öffentlichen Mitteln
Bildung für nachhaltige Entwicklung in der Stadt
Bildung für nachhaltige Entwicklung schafft die Grundlagen für eine nachhaltige Stadtentwicklung . Das beginnt bei den Einwohnern, die umsichtig mit Ressourcen umgehen, und endet bei den Politikerinnen und Politikern, die sich Gedanken über eine klimagerechte Stadt machen. Dazu reicht es allerdings nicht aus, nur bis zum eigenen Stadtschild zu denken: Auch der globale Kontext spielt eine Rolle. Das Leben in den nördlichen Industrieländern hat Auswirkungen auf die Städte im ärmeren Süden. Wie eine Stadt und das Leben in ihr auch in globaler Hinsicht verantwortlich gestaltet werden können, ist deshalb ein weiterer zentraler Aspekt einer Bildung mit dem Fokus nachhaltige Stadtentwicklung.
Partizipation im Praxistest
Die Stadt bietet nicht nur thematisch zahlreiche Anknüpfungspunkte für BNE. Sie eignet sich als Lernort und -gegenstand, weil Lernende hier einen unmittelbaren Bezug zu den Lehrinhalten haben. Außerdem bietet eine Kommune viele Möglichkeiten, sich einzubringen und zu engagieren. Die von BNE vermittelten Kompetenzen und Werte können Kinder, Jugendliche und Erwachsen also direkt vor Ort einsetzen. Gerade im Sinne einer "ownership", also der Übernahme von Verantwortung für die eigene Umwelt und das eigene Umfeld, bietet die Stadt einen idealen Lern- und Lehransatz.
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