BNE-Journal: Claudia Langer: "Kunden achten darauf, wofür ein Unternehmen steht"

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Claudia Langer: "Kunden achten darauf, wofür ein Unternehmen steht"

BildanfangInterview_Claudia Langer© Jörg Lühmann/Der AuslöserBildende

Claudia Langer ist Geschäftsführerin von Utopia AG, die eine Internetplattform für strategischen und nachhaltigen Konsum betreibt. Sie erklärt, was es mit dem Changemaker-Manifest von Utopia auf sich hat und wieso Unternehmen nachhaltig handeln wollen.

Was ist die "Neue Deutschland AG" und das Changemaker-Manifest?

Die "Neue Deutschland AG" steht für eine Gruppe von Unternehmen, die es Ernst meinen mit dem Thema Nachhaltigkeit und die sich mit einem Manifest ganz konkrete und nachprüfbare Nachhaltigkeitsziele gesetzt haben. Diese Unternehmen sind echte Pioniere, die sich ihrer Verantwortung bewusst sind und sich an ihren Nachhaltigkeitszielen messen lassen. Dabei nehmen sie ihre Stakeholder mit und treiben Mitarbeiter, Lieferanten und Partner voran.
Das Changemaker-Manifest formuliert jedes Unternehmen individuell in einem Abstimmungsprozess mit dem Kuratorium der Utopia Stiftung. So stellen wir sicher, dass die Ziele zum Unternehmen passen, aber auch, dass die Unternehmen ambitionierte Schritte in Richtung Nachhaltigkeit machen. Außerdem geht es darum, die Maßnahmen so konkret zu formulieren, dass sie auch messbar sind. Das Changemaker-Manifest und die damit eingegangenen Verpflichtungen machen Nachhaltigkeit zur Chefsache. Der Vorstand unterschreibt das Manifest und unterstreicht damit das persönliche Engagement der Unternehmensführung und das klare Bekenntnis zu mehr Nachhaltigkeit.

Wer hat bisher das Changemaker-Manifest unterschrieben?

Im November 2009 unterzeichneten die ersten neun deutschen Unternehmen. Dazu zählen neben Bionade, Entega, Frosta, der GLS Bank, Memo und Otto auch Spacenet, Tegut und Utopia selbst. Im April 2010 unterzeichnete der Telekom-Vorstandsvorsitzende René Obermann das Changemaker-Manifest und führte damit das erste Dax-Unternehmen in die Riege der Changemaker ein. Wir sind bereits mit weiteren Unternehmen im Gespräch, die sich gerne auf den Changemaker-Prozess einlassen wollen.

Welchen Erfolg erwarten Sie sich?

Wir wollen Unternehmen dazu bringen, ihrer Verantwortung nachzukommen. Für die Unternehmen ist Nachhaltigkeit mittlerweile ein Wettbewerbsvorteil und Wirtschaftsfaktor. Nur wenn es ein positiver Wirtschaftsfaktor bleibt, werden sich Unternehmen umgestalten können und wollen. Die Kunden achten immer mehr darauf, wofür ein Unternehmen steht und diese Entwicklung finde ich gut.

Was hat sich bisher bei den Unternehmen, die unterschrieben haben, geändert?

Das Utopia-Manifest enthält zehn Versprechen, die an konkrete Handlungen geknüpft sind: Ein Punkt etwa zielt darauf ab, weniger Ressourcen im jeweiligen Unternehmen einzusetzen. Ein anderer fordert, eine verbesserte Energie-Effizienz zu erreichen und Strom aus erneuerbaren Quellen zu benutzen. Zusätzlich versprechen die Erstunterzeichner, dass sie ihre Emissionen drastisch reduzieren und dazu einen Plan ausarbeiten. Auch die gesetzlich vorgeschriebenen sozialen Standards wollen alle unterzeichnenden Parteien deutlich übertreffen. Bis zum 31. Dezember 2010 werden alle Erst-Unterzeichner erstmals über ihre Fortschritte berichten und sich anhand der zehn Punkte messen lassen. Utopia veröffentlicht alle Zwischenberichte - ebenso wie die Manifeste - auf seiner Internet-Plattform.

Was erhoffen Sie sich davon?

Die Unternehmen unterziehen sich damit der wirksamen Überprüfung durch eine kritische Öffentlichkeit. Damit entsteht eine völlig neue Qualität in der Nachhaltigkeitskommunikation: Die Unternehmen begeben sich mit konkreten Nachhaltigkeitszielen in einen transparenten und kritischen Dialog mit Usern, Utopia und Kuratorium und bekommen Feedback aus der Community. Der Dialog mit der Zivilgesellschaft wird Fortschritte im Nachhaltigkeitsmanagement der Unternehmen aufzeigen, aber vor allem auch Schwächen und Verfehlungen aufdecken und hinterfragen. Das ersetzt zwar nicht Zertifizierungen und Expertenanalysen, um zu beurteilen, wie nachhaltig Unternehmen handeln. Aber die Zivilgesellschaft hat die Chance, zum Unterstützer oder zum Korrektiv für die Unternehmen zu werden. Ein konkretes Beispiel für eine Änderung bei einem Unterzeichner wäre die große Handy-Rücknahmeaktion der Telekom. In dem Manifest der Telekom verpflichtet sich der Konzern zu einer Sammelaktion von 1 Million Althandys in ein bis zwei Jahren. Eine Kampagnenseite fordert nun alle Verbraucher auf, ihre alten Handys in Telekomläden abzugeben.

Was ist bei der Vermittlung von nachhaltigem Denken und Handeln besonders wichtig?

Wir wollen alle ansprechen. Der Öko macht ja schon alles richtig, der braucht unsere Informationen nicht mehr so dringend. Darum wollen wir die große Masse erreichen und für Nachhaltigkeit begeistern. Manchmal muss man Menschen nur verführen, mal etwas Neues auszuprobieren.


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