Prof. Dr. Stefan Schaltegger: "Die Unternehmen brauchen gut ausgebildete Nachhaltigkeitsmanager"
Prof. Dr. Stefan Schaltegger © Leuphana Universität LüneburgBildende
Prof. Dr. Stefan Schaltegger ist Ordinarius für Betriebswirtschaftslehre und Nachhaltigkeitsmanagement und leitet das Centre for Sustainability Management (CSM) an der Leuphana Universität Lüneburg.
Spätestens seit der Finanzkrise gilt "der Manager" in der Öffentlichkeit als Paradebeispiel nicht-nachhaltigen und unethischen Handelns. Zu Recht?
Manager sind per se weder nachhaltig noch unethisch. Genauso wenig wie Politiker oder Konsumenten nur wegen ihrer Funktion nachhaltig oder unnachhaltig sind. Die konkreten Entscheidungen und das Verhalten einer Führungskraft bestimmt, ob ein Manager als Akteur für eine nachhaltige Entwicklung handelt oder ihr im Wege steht. Manager befinden sich häufig in Positionen, die ihnen ermöglichen, besonders wichtige, langfristige und viele andere Menschen betreffende Entscheidungen zu fällen. Oft fällen Personen ökologisch oder sozial bedenkliche Entscheidungen nicht aus böser Absicht, sondern aus Unwissen und Ignoranz. Wenn sie mehr Know-how hätten, könnten sie viele Beschlüsse auch ökonomisch viel sinnvoller und sinnstiftender treffen. Managementaus- und -weiterbildung ist daher besonders wichtig, um Nachhaltigkeit zu unterstützen.
Was kann Hochschule im Bereich Managerausbildung tun, um nachhaltiges Handeln zu vermitteln?
Bildung zu Nachhaltigkeitsmanagement sollte im Wesentlichen auf drei verschiedenen Stufen ansetzen: im Bachelor, im grundständigen (first level) Master und in einer weiterbildenden MBA-Ausbildung. Jede Hochschule kann in einführenden Veranstaltungen ein Grundverständnis über Nachhaltigkeit und die wesentlichen Herausforderungen schaffen. Dabei geht es auch darum, wie relevant Nachhaltigkeit für Wirtschaft und Gesellschaft ist. Die Leuphana Universität Lüneburg tut dies zum Beispiel im College im verpflichtenden Komplementärstudium mit einem Modul "Wissenschaft trägt Verantwortung". Jedes qualitativ ausgewiesene, grundständige betriebswirtschaftliche Studium muss außerdem Herausforderungen an das Management und die Grundkonzepte des Nachhaltigkeitsmanagements behandeln. Auf dem qualitativ höchsten Ausbildungsniveau für Manager steht der Master of Business Administration (MBA). Hier bietet das Centre for Sustainability Management der Leuphana Universität den weltweit ersten MBA zu Nachhaltigkeitsmanagement an – den MBA Sustainability Management. Wer im Tagesgeschäft häufig mit Nachhaltigkeitsfragen zu tun hat und verantwortungsvolle Unternehmensführung als Chance für die Unternehmensentwicklung sieht, ist hier richtig. Wer sich mit einem Grundverständnis von unternehmerischer Nachhaltigkeit zufrieden gibt, kann auch einen konventionellen MBA wählen, der Nachhaltigkeitsfragen nur am Rande anspricht. MBA-Studiengänge, die Nachhaltigkeitsfragen überhaupt nicht behandeln, sind in der Regel auch zu anderen Themen der Zeit hinterher.
Wie nehmen Studierende diese Angebote an?
Sehr gut. Die Nachfrage nach einer guten Aus- und Weiterbildung zu Nachhaltigkeitsmanagement ist sehr groß und hält seit vielen Jahren an. Wir können aus einer Vielzahl an Interessenten und Bewerbern wählen und führen Gruppen von 20 bis 25 Studierenden. Über 300 Studierende haben den MBA Sustainability Management schon absolviert oder befinden sich noch im Studium. Das Alumninetzwerk wächst stetig und ist für viele eine wesentliche Quelle für Inspiration und gegenseitiger Stärkung.
Wie bewerten Arbeitgeber solche Studieninhalte?
Immer mehr Arbeitgeber kennen den MBA Sustainability Management. Wir haben bisher nie eine negative oder verhaltene Rückmeldung von Arbeitgebern erfahren. Im Gegenteil: Die meisten unterstützen ihre Mitarbeiter, die dieses anspruchsvolle Programm auf sich nehmen. Sehr viele Studierende und Absolventen haben beeindruckende Karrieren erreicht. Viele Unternehmen erkennen immer mehr an, dass kommende Führungskräfte nicht nur das Managementhandwerk an sich beherrschen, sondern auch in Nachhaltigkeitsfragen Bescheid wissen sollten.
Gilt Nachhaltigkeit in den Unternehmen als schöner Zusatz oder als essentielles Thema für die Managerausbildung?
Je nach Branche und Unternehmensgröße gibt es hier unterschiedliche Meinungen. Insgesamt stellt die Wirtschaft die hohe ökonomische Relevanz von Nachhaltigkeitsthemen für den Unternehmenserfolg und die Organisationsentwicklung kaum in Frage. Nicht jeder im Betrieb muss Experte zu Nachhaltigkeitsmanagement sein, aber jedes Unternehmen benötigt das Expertenwissen. Das erkennen die Verantwortlichen zunehmend. Deshalb fördern sie Mitarbeiter auch immer häufiger, die einen MBA zu Nachhaltigkeitsmanagement absolvieren und ihr Kompetenzprofil erweitern.
Nehmen Unternehmen CSR als Marketinginstrument wahr oder als wichtige Unternehmensaufgabe?
Kommunikation und Marktorientierung sind wichtige Elemente unternehmerischer Nachhaltigkeit. Wer Nachhaltigkeitsmanagement jedoch darauf reduziert, fällt früher oder später auf die Nase. Nachhaltigkeitsfragen betreffen Investitions- und Finanzierungsentscheidungen genauso wie Produkt- und Organisationsentwicklung. Beteiligte Bereiche sind ebenso die Beschaffung oder das Informationsmanagement und Controlling. Eben genau dafür benötigen die Unternehmen gut ausgebildete Nachhaltigkeitsmanager, die Nachhaltigkeit im Unternehmen verankern, professionell managen und nicht nur darüber reden.
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