BNE-Journal: Nachhaltige Entwicklung als globale Herausforderung

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Online-Magazin "Bildung für nachhaltige Entwicklung"



Nachhaltige Entwicklung als globale Herausforderung

BildanfangArtikel_Claudia BrückClaudia Brück © TransfairBildende

von Claudia Brück

Die beiden wichtigsten Herausforderungen der nächsten Jahrzehnte heißen Armutsbekämpfung und Klimawandel. Der Zusammenhang zwischen beiden Problemlagen ist ein wichtiges Thema der aktuellen Diskussion.

Arme Menschen sind den Folgen des veränderten Klimas besonders ausgesetzt und können ihnen zugleich wenig entgegensetzen. Dadurch, dass sie direkt von der Natur und  geringen wirtschaftlichen Ressourcen abhängig sind, können sie sich nicht an die neuen klimatischen Bedingungen anpassen. Der Faire Handel setzt bei diesem Problem an und bietet einen Weg, verantwortungsbewusst  zu konsumieren.

Gefahr durch Monokulturen und subventionierte Importe

Wenn Wälder verschwinden und Böden austrocknen, verschwindet langfristig die Lebensgrundlage vieler Menschen – und ihre Armut wird größer. Besonders die rund 1,1 Milliarden sehr armen Menschen, die von weniger als einem Dollar pro Tag leben, sind auf funktionierende Ökosysteme angewiesen.  Nur eine intakte Umwelt kann ihre Grundbedürfnisse decken. 70 Prozent dieser Menschen leben in ländlichen Gebieten. In diesen Regionen ist zahlreichen Studien zufolge die traditionelle, kleinbäuerliche Wirtschaftsweise die nachhaltigste und schonendste. Doch auch sie ist zunehmend bedroht: zum einen dadurch, dass immer mehr Menschen auf eine industrielle Agrarproduktion und auf Monokulturen umstellen. Zum anderen gibt es verstärkt Importe von hoch subventionierten und daher billigen Lebensmitteln aus den Industrieländern. Damit können viele Kleinbauern nicht konkurrieren, geben auf und verlieren ihre Existenz. Oder sie greifen ihrerseits auf andere, nicht-schonende Ressourcennutzung zurück.

Ein Siegel für verantwortlichen Konsum

Genau bei diesem Problem setzt Fairer Handel an. Verschiedene Nichtregierungsorganisationen haben vor rund 20 Jahren in mehreren Ländern Fairtrade Labelling als Ergänzung zur klassischen Entwicklungshilfe eingeführt. Heute ist "Fairtrade" ein weltumspannendes Netzwerk, das ein unabhängig kontrolliertes Produktsiegel für fairen Handel etabliert hat. Die Menschen im Süden stehen im Mittelpunkt des Konzepts. Das Siegel fördert daher gezielt Kleinbauen und Arbeiter in den Entwicklungsländern und verbessert ihre Position auf dem Weltmarkt. Fairtrade ist mehr als ein Siegel: Es hat ein klares entwicklungspolitisches Ziel, nämlich unseren Konsum verantwortlicher zu gestalten und so die Armut im Süden abzubauen. Fairtrade setzt strenge Standards in den Bereichen Handel, Soziales und Umwelt. 

Nachhaltige Produktion

Der Faire Handel fördert Kleinbauern in Afrika, Asien und Lateinamerika und eine ressourcenschonende, nachhaltige Anbauweisen. Der konventionelle Anbau von Bananen, Blumen und Baumwolle verbraucht oft sehr viel Wasser. Außerdem benutzen die Bauern oft chemischen Dünger, Herbizide und Pestizide. Bei Fairtrade aber gibt es speziell für die einzelnen Produkte entwickelte Umweltstandards. Zu den Fairtrade-Prinzipien gehört es, schädlichen Dünger und Insektenbekämpfungsmitteln nur minimal einzusetzen. Außerdem gibt es ein Abfall- und Wassermanagement, das unter anderem dafür sorgt, dass sauberes Trinkwasser vorhanden ist. Die Bauern bekämpfen Bodenerosion und verzichten auf Brandrodung. Zudem ersetzen sie fossile Brennstoffe durch umweltfreundliche Energien. Fairtrade unterstützt die Bauern im Süden, schrittweise auf kontrollierten biologischen Anbau umzustellen. 75 Prozent der Fairtrade-Produkte sind zugleich Bio-Produkte. Vor Ort vermeiden die Erzeuger schädliche Monokulturen. Kaffeebauern in Guatemala haben zum Beispiel begonnen, Produkte wie Honig und Kardamom zusätzlich auf den Markt zu bringen. Und auf der indischen Teeplantage Makaibari an den Südhängen des Himalaya nutzen die Produzenten nur ein Drittel der 670 Hektar zum Teeanbau. Der Rest ist naturbelassen oder dient zur Anpflanzung von Obst- und Bambusbäumen, Heilkräutern und Klee. All das schafft ein gesundes Ökosystem mit großer Artenvielfalt. Die zahlreichen Insekten- und Tierarten, die in dem Gebiet leben, sorgen dafür, dass das System im Gleichgewicht bleibt.

Rosen aus Kenia

Der Faire Handel trägt zum Klimaschutz bei, denn 98,7 Prozent aller fair gehandelten Produkte erreichen Europa mit dem Schiff. Nur Rosen kommen per Luftfracht aus den Ländern des Südens, das machte aber im Jahre 2009 unter zwei Prozent des Gesamtgewichts der importierten Fairtrade-Produkte aus. Insgesamt haben Rosen aus Afrika sogar eine niedrigere CO2-Bilanz als Rosen aus europäischen Gewächshäusern. Dazu ist eine Studie der Universität Cranfield aus dem Jahre 2007 interessant: Sie verglich, welche Energie und Schadstoffe entstehen, wenn 12.000  Rosen in den Niederlanden oder in Kenia produziert und transportiert werden. Das Ergebnis: Die Emission für energieintensiven Treibhaus-Anbau und Transport der niederländischen Rosen ist 5,8 mal höher als für die Rosen aus Kenia.

Fairtrade-Prämie fürs Klima

Auch das Traditionsprodukt Kaffee weist beim Fairen Handel eine gute Ökobilanz auf. Das liegt unter anderem daran, dass die Erzeuger den Kaffee inzwischen trocken aufbereiten und sonnentrocknen. Dieses Verfahren spart im Vergleich zur nassen Aufbereitung und Trocknung mit dem Ofen Energie. Hinzu kommt, dass die Produzenten Prämien, die es von der Organisation Fairtrade gibt, oft für klimafreundliche Umweltschutzmaßnahmen verwenden. So ersetzten Teeproduzenten aus Indien ihre traditionellen Holzöfen durch solarbetriebene Anlagen. Und die Kaffeebauern einer Kooperative in Costa Rica heizen statt mit Holz inzwischen mit Kaffeehülsen. Nachhaltige Ressourcennutzung kann und muss sich lohnen – dann bleiben biologische Vielfalt und eine intakte Umwelt erhalten.

Verantwortung im Norden

Dauerhafte Veränderungen können Produzentenorganisationen aber nicht alleine erreichen, sondern nur gemeinsam mit Verbrauchern und Entscheidern in Unternehmen, Institutionen und Politik. Die ökonomischen, sozialen und ökologischen Standards im Fairen Handel bilden die Basis, um gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten mehr Ehrlichkeit und Glaubwürdigkeit in das eigene Handeln zu integrieren. Jeder trifft schon als Verbraucher beim Einkauf Entscheidungen, die das Leben von Menschen auf anderen Erdteilen genauso wie das Leben seiner Kinder und Enkel beeinflussen. Das Bewusstsein für diese Zusammenhänge muss stärker in der Gesellschaft ankommen. Der Faire Handel ist dabei kein Allheilmittel, aber er ermöglicht jedem privat wie beruflich, Armut in Entwicklungsländern zu reduzieren und einen respektvollen Umgang mit Menschen und Ressourcen weltweit zu pflegen.

Für ihre Arbeit erhielt die Organisation Transfair 2009 den Deutschen Nachhaltigkeitspreis in der Kategorie "Deutschlands nachhaltigste Dienstleistungen" – eine Bestätigung des Beitrages von Fairtrade zur Armutsbekämpfung und nachhaltigen Entwicklung in den Ländern des Südens.


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