BNE-Journal: Klimawandel und Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE): allgemeine Einordnung

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Online-Magazin "Bildung für nachhaltige Entwicklung"




Klimawandel und Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE): allgemeine Einordnung

BildanfangDr. Maria J. WelfensDr. Maria J. Welfens © Wuppertal InstitutBildende

von Dr. Maria J. Welfens, Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie


Wissenschaftler lassen keinen Zweifel daran: Der Klimawandel ist in vollem Gange und wird dabei überwiegend vom Menschen verursacht. Obwohl in den letzten Jahren unzählige Initiativen zur praktischen Umsetzung des Klimaschutzes gestartet wurden, sind wir von der notwendigen Reduktion der Treibhausgase weit entfernt. Im Gegenteil: die globalen Trends zeigen auf einen weiteren Anstieg der Treibhausemissionen.

Klimaforschung ist ein sehr dynamischer Bereich. Jedes Jahr kommen neue Erkenntnisse, die zum Teil alte Prognosen überholen. Die Wissenschaft geht davon aus, dass die Erderwärmung auf etwa zwei Grad Celsius begrenzt werden muss, damit nicht im Zuge des Klimawandels noch weitere Erdsysteme kollabieren. Es bleibt nur wenig Zeit, unsere Wirtschafts- und Lebensweise radikal umzusteuern, den fossilen Pfad zu verlassen und die Emissionen von Kohlendioxid drastisch zu senken.

Der Copenhagen Accord

Doch leider ist es bei dem letzten Weltklimagipfel in Kopenhagen in Dezember 2009 nicht gelungen, entsprechende Reduktionsverpflichtungen zu vereinbaren. In dem Abschlussdokument des Weltklimagipfels, dem Copenhagen Accord, wurden die zwei Grad Celsius als ein gemeinsames Ziel zwar anerkannt. Das Dokument ist aber nur eine Absichtserklärung, die keinen völkerrechtlich verbindlichen Charakter hat. Vereinbarungen gab es in Kopenhagen nur bezüglich der Langzeitfinanzierung des Klimaschutzes in den Entwicklungsländern. Das ist ein wichtiger Punkt, aber insgesamt waren die Ergebnisse des Klimagipfels in Kopenhagen sehr enttäuschend, vor allem, wenn man die Ergebnisse an den sehr hohen Erwartungen bemessen will. Die Vereinbarungen im Copenhagen Accord reichen bei weitem nicht aus, um den Klimawandel einzudämmen.

Umdenken und Umsteuern notwendig

Durch die Enttäuschung von Kopenhagen sind die Herausforderungen, den Klimawandel in den Griff zu bekommen, nicht kleiner, sondern größer geworden. Die Verhandlungen haben große Interessenunterschiede zwischen einzelnen Staatengruppen gezeigt, die hoffentlich während der nächsten Verhandlungsrunde in Mexiko mit einem völkerrechtlich verbindlichen Abkommen überwunden werden können. Doch darauf zu warten, können wir uns nicht leisten. Der Klimawandel findet statt – auch die Gesellschaften im Norden und Süden müssen sich wandeln, denn das bedeutet "Das Ende der Welt, wie wir sie kannten“,  wie Claus Leggewie und Harald Welzer ihr Buch betitelten (S. Fischer Verlag, 2009).

Änderung der Strukturen

Andere Produktionstechnologien, andere Produktions-Dienstleistungssysteme und andere gesellschaftliche Leitbilder als heute werden die zukünftige Welt kennzeichnen. Wir müssen umdenken, umsteuern und unsere Strukturen im Kopf umformen, um die heutigen ressourcen- und energieschweren Konsum- und Produktionsmuster zu verändern. Klimaschutz geht weit über eine bloße Reduktion der CO2-Emissionen hinaus. Hinter den CO2-Emissionen steht der Verbrauch an Ressourcen und Energie. Um das Klima effektiv zu schützen, müssen wir den Ressourcen- und Energieverbrauch sowie Emissionen und Abfällen minimieren.

Bildung, um Barrieren zu überwinden

Zur Umsetzung der Klimaschutz-Ziele bedarf es gut informierter verantwortungsvoller, innovativer und handlungswilliger Politiker, Manager und Bürger. Da ist Bildung für nachhaltige Entwicklung gefragt:  Bildung, die nicht nur als Wissensvermittlung, sondern vor allem als Kompetenzförderung verstanden wird. Bildung, die Menschen befähigt, aktiv eine nachhaltigere Zukunft zu gestalten und die Zusammenhänge zwischen menschlichen Aktivitäten und Klima und Umwelt zu verstehen. Bildung im Sinne eines lebenslangen Lernens für Nachhaltigkeit und Klimaschutz ist auch der richtige Weg, um jeden Einzelnen, um Politiker und Manager zum Handeln zu bringen.

Zukunft gestalten

Um nachhaltige, klimaschonende Produktions- und Konsummuster zu verwirklichen, ist es notwendig,  ökologische und gesellschaftliche Wechselbeziehungen grundlegend zu verstehen. Von daher ist Bildung für Nachhaltigkeit eine unabdingbare Bedingung für die praktische Umsetzung der komplexen Ziele einer Klimaschutzstrategie. Zentrales Anliegen ist es, zu vermitteln, dass sich die Zukunft aktiv gestalten lässt. Das Erfahrungswissen zeigt, wie schwierig es ist, Zukunft zu denken, zu entwickeln und zu gestalten. Es ist jedoch möglich, dies zu lernen. Die Kompetenzen, die dafür notwendig sind, sind komplex und umfassen systemisches Denken, interdisziplinäre Herangehensweise, Partizipation und distanzierte Reflexion. Wir müssen also lernen, Entwürfe für eine gelungene Zukunft zu entwickeln. Daher muss Bildung für nachhaltige Entwicklung diese Kompetenzen auch mit Blick auf den Klimaschutz fördern. Dazu gehören didaktische Methoden wie Zukunftswerkstätten, Simulationsspiele und andere, die vernetztes, vorausschauendes Denken vermitteln.

Beiträge des Wuppertal Instituts

Das Wuppertal Institut steht für dieses Denken auf wissenschaftlicher Ebene. Es erforscht und entwickelt Leitbilder, Strategien und Instrumente für eine nachhaltige Entwicklung. Das Institut beteiligt sich aktiv an den Arbeiten der "UN-Dekade Bildung für nachhaltige Entwicklung" (2005-2014). Im Kontext der Diskussion um Klimaschutz und Bildung sind drei Projekte besonders erwähnenswert. Die
Forschungsgruppe "Nachhaltiges Konsumieren und Produzieren" des Institutes arbeitet daran mit.

  • Bildungsinitiative "Mut zur Nachhaltigkeit", in deren Rahmen das Institut sechs didaktische Module mit 80 Bildungsmaterialien konzipiert hat. Der Auftraggeber waren die ASKO EUROPA-STIFTUNG und die Stiftung Forum für Verantwortung. Das Projekt wurde zweimal als Projekt der UN-Dekade ausgezeichnet.
  • Initiative der Europäischen Umweltagentur (European Environment Agency) "Bend the trend" zur Selbstverpflichtung, CO2-Emissionen zu reduzieren. Bürger können individuelle Selbstverpflichtungen zur CO2-Reduzierung im Internet machen.
  • Ausstellung "Level Green – Die Idee der Nachhaltigkeit" in der Autostadt in Wolfsburg, ausgezeichnet mit dem Designerpreis "red dot". Die Ausstellung stellt mit Hilfe von interaktiven Exponaten die komplexe Klimaproblematik für die breite Öffentlichkeit dar.

Die Dekade in Deutschland

Die von der Deutschen UNESCO-Kommission koordinierte UN-Dekade "Bildung für Nachhaltigkeit" in Deutschland – mit ihren vorbildhaften Strukturen für andere Länder – gibt viele Impulse für die Ausrichtung der Bildungssysteme auf Nachhaltigkeit und Klimaschutz. Die Dekade schafft Anreize, Aktivitäten zu bündeln und gute Praxis in die Breite zu tragen. Das reicht allerdings nicht, wenn nicht gleichzeitig die Curricula ergänzt werden, und zwar um die neuen, für den Klimaschutz relevanten Inhalte.

Integrierte Maßnahmen sind nötig

Wir müssen noch weitaus mehr unternehmen, um die eingetretenen oder zu erwartenden negativen Folgen des Klimawandels reduzieren. Dazu müssen alle Beteiligten integrierte Politikmaßnahmen und gebündelte Aktivitäten auf den Weg bringen und umsetzen. Integrierte Maßnahmen sind solche, die auf das gesamte komplexe Klimasystem und seine Verknüpfungsstrukturen abgestimmt sind.

Rolle der Politik und Bildung

Die Liste der Aufgaben ist lang. Ein erfolgreicher Klimaschutz kann nur gelingen, wenn alle verantwortlichen Akteure aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zusammen agieren und sich gegenseitig unterstützen. Der Politik kommt dabei eine besondere Rolle zu, da sie gesellschaftliche Rahmenbedingungen setzt und damit die Richtung künftiger gesellschaftlicher Entwicklungsprozesse steuernd beeinflussen kann.
Diese kurze Darstellung der Herausforderungen macht klar, dass sich Bildung aktiv und noch intensiver als bisher mit diesen auseinandersetzen muss. Wichtig dabei: Nicht nur die Bildungsmaßnahmen, sondern auch Kommunikationsstrategien zwischen den Akteuren des Klimawandels müssen sich weiter verbessern. Wir müssen alle gemeinsam entscheiden, in welcher Zukunft wir leben wollen.

Mehr Informationen zu den Projekten des Wuppertal Instituts:

Zu "Mut zur Nachhaltigkeit"

Zu "Bend the trend"

Zu "Level Green"


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