Bildung für nachhaltige Entwicklung und Klimawandel
Bernard Combes © UNESCOBildende
von Bernard Combes, UNESCO
Der UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon bemerkte in seiner Eröffnungsrede beim Klimagipfel der Vereinten Nationen in New York, dass der Klimawandel das entscheidende Thema unserer Zeit sei. Er schilderte den Klimawandel als eine Herausforderung, die bereits alle Nationen tangiert, vor allem die, deren Überleben bereits in Gefahr ist.
Der Klimawandel wird weitere Bedeutung erlangen, so Ban Ki-Moon im September 2009. Diese Tatsache rückte auf der UN Klimawandelkonferenz (COP 15) in Kopenhagen im Dezember 2009 weltweit in den Fokus.
Fortschritt in Forschung und Bildung
Klimawandel ist ein akutes Problem – komplex, global und verbunden mit schwierigen Problemen wie Armut, wirtschaftlicher Entwicklung und Bevölkerungswachstum. Fortschritt muss daher in vielen Bereichen gemacht werden. Wichtige Punkte sind dabei, neue grüne Technologien zu erforschen, weniger Treibhausgase zu produzieren und effektives Regierungshandeln zu etablieren. Notwendig ist aber auch, für Bildung, öffentliches Bewusstsein und Fortbildung zu sorgen, so dass es informierte Bürger, gut ausgebildetes Personal und aufgeklärte Regierungsbeamte gibt. Es ist gerade jetzt besonders wichtig, über Klimawandel zu lernen und zu lehren.
BNE und Klimawandel
Die UNESCO hat schon lange die steigenden Herausforderungen erkannt, die durch den Klimawandel entstehen. Die verschiedenen Bereiche der UNESCO arbeiten seitdem innerhalb der Vereinten Nationen aktiv an einer Lösung des Problems mit. Die Basis für die Arbeit der UNESCO in diesem Bereich bildet Kapitel 36 der Agenda 21 (Förderung der Bildung, der Bewusstseinsbildung und der Aus- und Fortbildung) und die UN-Dekade "Bildung für nachhaltige Entwicklung" (BNE). Die BNE-Weltkonferenz in Bonn bestätigte im April 2009, dass Klimawandel eines der Schlüsselthemen der Dekade ist. In der Bonner Erklärung wird Klimawandel als Weltanliegen anerkannt, das Teil von Bewusstsein, Lernen und Bildung für eine nachhaltige Zukunft sein muss.
Neue Perspektiven entwickeln
Teilnehmer eines Online-Forums der Dekade bestätigten, dass eine der wichtigsten Herausforderungen für eine erfolgreiche Dekade sei, Klimawandel und Klimaprobleme als Bedrohungen für die Menschheit anzusprechen. Es ist wichtig, Menschen dabei zu unterstützen, neue Perspektiven angesichts des Klimawandels zu entwickeln. Dabei sollten sie auch die ökonomischen und sozialen Voraussetzungen in ihren Ländern infrage stellen. Bildung über Klimawandel kann parallel nachhaltige Entwicklung unterstützen, indem sie unser Bewusstsein schärft. Sie kann dazu beitragen, dass wir Fähigkeiten und Einstellungen entwickeln, um allgemeine Annahmen zu hinterfragen. Dazu gehören die Art, wie wir denken, die Werte, die wir unterstützen und die Entscheidungen, die wir im persönlichen und professionellen Leben treffen.
Lebensqualität, Verantwortung und nachhaltiger Wandel
Lehren und Lernen über Klimawandel ist interdisziplinär und ganzheitlich. Es vereint wissenschaftliche, soziale, geschlechtsspezifische, ökonomische, kulturelle und ethische Dimensionen. Die integrierte und vielseitige Vision, die von Bildung für nachhaltige Entwicklung ausgeht, ist besonders gut geeignet, um dem Klimawandel zu begegnen. BNE kann dazu beitragen, die Gründe, Folgen und Auswirkungen des Klimawandels zu verstehen und geeignete Lösungen vorzubereiten und umzusetzen. Grundlegende Teile von BNE sind Interdependenz, Bürgerschaft, Verantwortung, Diversität, Lebensqualität und nachhaltiger Wandel. Jedes dieser Konzepte kann das Bewusstsein über Klimawandel stärken.
Übergreifender Referenzrahmen
Daher ist für die UNESCO Bildung für nachhaltige Entwicklung der beste Rahmen, um Klimawandel durch Bildung zu begegnen. BNE bietet eine kohärente und ganzheitliche Vision der Rolle und des Sinnes von Bildung in unserer fragilen, sich schnell ändernden Welt. Durch die systematische Beschäftigung mit den drei Grundpfeilern von nachhaltiger Entwicklung - ökologisch, sozial und ökonomisch - gibt BNE einen übergreifenden Referenzrahmen. Eine weitere Grundlage ist die Berücksichtigung der kulturellen und ethischen Dimensionen. Die Beiträge vieler Disziplinen bereichern diesen Ansatz.
Weitere Herausforderungen
Durch die Verortung des Bildungskonzeptes in den Kontext von Nachhaltigkeit verbindet BNE dieses Schlüsselelement mit anderen Herausforderungen. Darunter fallen vor allem die Milleniums-Entwicklungsziele und die Bedrohtheit des menschlichen Überlebens. Aber auch die zentrale Bedeutung von Bildung in der Neuausrichtung unseres Wissens und Verständnisses, unserer Fähigkeiten, Werte, Einstellungen und unseres Verhaltens ist essentiell. Nur so können wir bei der Lösungssuche auch die Zukunft des Planeten aktiv berücksichtigen.
Projekte der UNESCO
Bildung und Weiterbildung für Nachhaltigkeit basieren auf Literatur, Primarbildung, höherer Bildung, beruflicher Weiterbildung und bürgerschaftlicher Verantwortung. Dies sind die Bereiche, in denen die UNESCO bereits seit vielen Jahren aktiv ist. Um Klimaproblemen durch Bildung zu begegnen, konzentriert sich die UNESCO auf:
- Unterstützung der Integration von BNE in die nationalen Bildungsstrategien und Maßnahmen durch umfassende Weitergabe von und Training mit BNE Umsetzungs- und Maßnahmeninstrumenten. In diesem Bereich gibt es u.a. das BNE Toolkit oder das Teaching and Learning for a Sustainable Future Programm. Dadurch unterstützt die UNESCO die Analyse und Umwandlung von Maßnahmen, Strategien und Programmen auf staatlichem Level. Ebenso wichtig ist die Initiierung von Diskussionen und Dialogen in den UNESCO Future Forums. Die Teilnehmer diskutieren über die Herausbildung von nachhaltigen Gesellschaften und die Schwierigkeiten, Nachhaltigkeit umzusetzen.
- Zur Verfügung stellen von Angeboten, um Lehrerausbildung und –fortbildung im Bereich BNE zu verbessern und systematisieren. Außerdem unterstützt die UNESCO die Berücksichtigung der gegenwärtigen globalen Herausforderungen bei der Ausbildung für Lehrer. Berufliche Aus- und Weiterbildung kann eine wichtige Rolle spielen, um die Antwort eines Landes auf Klimawandel zu unterstützen. Außerdem kann sie zur Armutsbekämpfung beitragen sowie soziale und ökonomische Einbindung von verschiedenen benachteiligten Bevölkerungsgruppen unterstützen. Die UNESCO initiiert auch Medientraining, um Medienvertreter in ihrem Bemühen zu fördern, über Themen nachhaltiger Entwicklung zu berichten.
- Neuausrichtung derzeitiger Bildungsprogramme, um Nachhaltigkeit zu berücksichtigen. Dies geschieht durch die Unterstützung von Bildungseinrichtungen, um die Integration von Klimawandelthemen in die Lernpläne zu erleichtern, Lehrerfortbildungen, Bildungsprogrammen und weiteren Maßnahmen. Es gibt eine wachsende Zahl von Bildungseinrichtungen für Lehrer, die der UNESCO Chair "Reorienting Teacher Education towards Sustainability" (York College in Kanada) koordiniert. Diese Institutionen beziehen Prinzipien von BNE in ihre Bildungs- und Fortbildungspraxis ein.
- Steigerung von Bewusstsein für und Verständnis von Nachhaltigkeitsthemen. Die UNESCO setzt das u.a. durch die Organisation von Workshops für Akteure um. Dort diskutieren die Teilnehmer, was die Antwort der Bildung auf den Klimawandel sein soll. Beispiele dafür sind der Workshop zum Klimawandel, der während der Bonner BNE-Weltkonferenz 2009 statt fand oder das internationale Seminar der UNESCO zu Klimawandel und Bildung 2009. Darunter fällt die Verbreitung von guten Praxisbeispielen und Materialien zum Unterrichten und Lernen über Klimawandel wie die Sandwatch Initiative der UNESCO Projektschulen. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Aufklärung besonders junger Menschen über ihren Lebenswandel und die Folgen dieses Lebenswandels auf Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft. Die kombinierte YouthXChange Initiative von UNEP und UNESCO bietet ein gutes Beispiel dafür.
- Verstärkte Kooperation mit anderen UN Institutionen zu Aktivitäten in den Bereichen Kommunikation, Bildung und öffentlicher Bewusstseinsstärkung (CEPA), die mit BNE und weltweiten Nachhaltigkeitsthemen verbunden sind. Dazu gehört das Bestreben, als Ansprechpartner für Bildung und Klimawandel zu wirken. Dabei bindet die UNESCO internationale Akteure mit ein und agiert im Rahmen der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC).
Klimawandel ist ein globales Problem, und trotzdem hat jeder Einzelne von uns die Macht, etwas zu verändern. Es ist wichtig für die Menschen, ihrer Rolle als bewusste Verbraucher und verantwortungsvolle Bürger gerecht zu werden. Selbst kleine Veränderungen in unserem Verhalten können helfen, die Treibhausgase zu reduzieren, ohne unsere Lebensqualität zu beeinträchtigen. BNE kann daher als Strategie angesehen werden, die es Personen ermöglicht, informierte und verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen und dementsprechend zu handeln, jetzt und in der Zukunft.
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