BNE-Journal: Daniel Fonseca de Andrade, Brasilien: "Kulturelle Unterschiede in Bildungssystemen berücksichtigen"

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Online-Magazin "Bildung für nachhaltige Entwicklung"




Daniel Fonseca de Andrade, Brasilien: "Kulturelle Unterschiede in Bildungssystemen berücksichtigen"

Daniel Fonseca de Andrade hat in São Paulo und London Biologie und Erziehungswissenschaften mit Schwerpunkt Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) studiert. Er hat als Lehrer gearbeitet und verschiedene Projekte zur Agenda 21 und zu BNE koordiniert.

BildanfangDaniel Fonseca de AndradeDaniel Fonseca de Andrade © privatBildende

Welche Erfahrungen und Eindrücke habe Sie auf der Weltkonferenz Bildung für nachhaltige Entwicklung gesammelt?

Ich habe während der Weltkonferenz und dem Workshop "Young Education for Sustainable Development (ESD)" fantastische Eindrücke gesammelt. Der Workshop hat mir die Gelegenheit geboten, mich mit anderen engagierten jungen Menschen aus aller Welt zu treffen, Ideen und Erfahrungen auszutauschen. Wir haben Standpunkte und Perspektiven zu Themen wie Ökologie, Bildung und Nachhaltigkeit diskutiert und die eigene Meinung hinterfragt. Ich habe die Erfahrungen von Menschen aus völlig anderen Lebenswelten mitbekommen. Das hat mich erkennen lassen, wie begrenzt wir sind und wie wichtig es ist, solche Unterschiede in allen Bereichen des Bildungssystems zu berücksichtigen. Obwohl wir Teil einer Bewegung sind, die die Selbstbestimmung der Menschen auf lokaler Ebene und soziale Vielfalt in der Welt fördert, hat mir der Kontakt mit den Young-Voices-Teilnehmern klargemacht, wie sehr unsere persönliche Perspektive Bildungsprozesse und Vorschläge für Bildungsmaßnahmen beeinflusst. Das beste Beispiel dafür: Auf dem Workshop bei der Weltkonferenz baten wir Teilnehmer der Young Voices,  Bildung für nachhaltige Entwicklung in ihrer Sprache zu sagen. Wir filmten diese Statements. In einigen Sprachen existierte dieser Begriff gar nicht. Ich denke, wir müssen sehr vorsichtig mit solchen Dingen sein – sonst respektieren wir lokale Kulturen nicht und zwingen ihnen stattdessen unsre auf. Das ist genau das Gegenteil der Prinzipien der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE).

Was sind Ihre Ziele mit Blick auf BNE?

Meiner Meinung nach müssen wir mehr dafür tun, unsere Anliegen in der Politik voranzubringen. Wir müssen Strategien entwickeln und dafür arbeiten, dass diese auch umgesetzt werden. Ich bereite mich gerade für eine Aufnahmeprüfung für einen PHD-Studiengang in Brasilien vor. Ich hoffe, ich kann dazu beitragen, Umwelterziehung im politischen Denken und Handeln meiner Heimatstadt zu verankern.

Was erwarten Sie von der Regierungspolitik in Ihrem Land?

Politische Strategien werden nur entwickelt und umgesetzt, wenn sich bestimmte Akteure dafür einsetzen. Umweltbildung ist in Brasilien im Bundesgesetz und in einigen Staatsgesetzen verankert. Aber die Vorgaben werden nicht in die Realität umgesetzt, solange die verantwortlichen Akteure nicht gemeinsam handeln. Sie müssten Umweltbildung den richtigen Stellenwert einräumen und sie in Institutionen und der Bevölkerung fördern. Was leider häufig geschieht, ist aber Folgendes: Obwohl alle beteiligten Institutionen angeblich abgestimmt handeln, schaffen sie nur noch mehr Bürokratie und erreichen so das Gegenteil von dem, was wünschenswert wäre.

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