Mit nachhaltigen Geldanlagen die Wirtschaft gestalten
Von Klaus Gabriel
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Bildende
Die zentrale Aufgabe des Finanzmarktes ist es, Finanzkapital für wirtschaftliche Prozesse zur Verfügung zu stellen. Wer in der Wirtschaft investieren, produzieren und verkaufen will, braucht Finanzmittel in Form von Eigenkapital oder Kredit. Die Einbeziehung ökologischer und sozialer Kriterien bei der Bereitstellung finanzieller Mittel kann Einfluss darauf haben, welche Produkte und Dienstleistungen unter welchen Bedingungen hergestellt und angeboten werden. Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Finanzkrise wird deutlich, dass eine nachhaltige Entwicklung nur möglich ist, wenn Rahmen-bedingungen und Anreizstrukturen so ausgerichtet sind, dass nachhaltige Wirt-schaftsweisen angestrebt werden. Dazu gehört auch, dass bei der Veranlagung von Geldern ökologische und soziale Kriterien berücksichtigt werden. Denn einmal angelegtes Geld bleibt ja nicht in den Tresoren der Banken liegen, sondern wandert weiter zu Wirtschaftsunternehmen, die damit investieren und produzieren. Es lohnt sich deshalb nicht nur aus finanziellen Überlegungen, sondern auch und gerade aus dem Blickwinkel der nachhaltigen Entwicklung, darauf zu achten, wer mit dem Geld von Investoren arbeitet und was dabei produziert wird.
Hände schmutzig?
Das Ziel nachhaltiger Geldanlagen besteht demnach darin, nachhaltige Wirtschaftsweisen zu unterstützen, indem Investitionen in jene Unternehmen, Produkte oder Produktionsprozesse vermieden werden, die nicht nachhaltig sind und stattdessen Investitionen getätigt werden, die eine nachhaltige Entwicklung ermöglichen. Diese beiden Grundmotive der nachhaltigen Geldanlage – Vermeidung und Förderung – werden vor allem anhand von Ausschluss- und Positivkriterien umgesetzt. Ausschlusskriterien führen dazu, dass Unternehmen, die gegen diese verstoßen, auf einen Teil der Investoren verzichten müssen. Das kann konkrete Kostennachteile für diese Unternehmen zur Folge haben, etwa wenn dadurch deren Kosten für die Aufnahme von Eigen- oder Fremdkapital auf dem Finanzmarkt steigen. Insgesamt bleibt der Wirkungsgrad eines rein auf Ausschlusskriterien fokussierten Investmentansatzes aber begrenzt: zwar macht man sich als Investor nicht die Hände schmutzig, indem man sich mit Umweltsündern und Ausbeutern erst gar nicht einlässt - allerdings bricht in der Regel mit dem Ausschluss eines Unternehmens auch die Möglichkeit ab, einen darüber hinausgehenden Einfluss auf das Unternehmen auszuüben.
Rechenschaft ablegen
Dem gegenüber wird bei der fördernden nachhaltigen Geldanlage in solche Unternehmen investiert, die in besonderer Weise nachhaltig agieren oder nachhaltige Technologien und Verfahren herstellen. Dieser direkte Fördereffekt hat sicherlich einen starken Einfluss auf die Etablierung nachhaltiger Wirtschaftsweisen und vielen Branchen – man denke etwa an die Solar- und Windkraftproduzenten – gelang dadurch erst der Durchbruch. Einen Schritt weiter geht der so genannten Best-in-Class-Ansatz, der einen Nachhaltigkeits-Wettbewerb zwischen den Unternehmen initiiert. Dabei werden Unternehmen hinsichtlich bestimmter Positivkriterien bewertet und untereinander verglichen. In die aus Nachhaltigkeits-sicht jeweils besten Unternehmen legen dann die Investoren ihr Geld an. Unternehmen können sich damit von ihren Mitbewerbern positiv unterscheiden, denn als nachhaltig agierendes Unternehmen zu gelten hat auch für das Image eines Unternehmens eine große Bedeutung. Gleichzeitig bemühen sich jene Unternehmen, die nicht zu den Besten zählen, verstärkt um eine bessere Nachhaltigkeitsbilanz. Dieser Nachhaltigkeits-Wettbewerb sowie die Bedeutung einer in puncto Nachhaltigkeit positiven Wahrnehmung durch die Öffentlichkeit haben in den letzten Jahren dazu geführt, dass immer mehr Unternehmen einen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlichen. Unternehmen legen damit Rechenschaft ab über ihre Nachhaltigkeitsperformance und müssen sich über darin enthaltene Defizite rechtfertigen.
Klagen, Probleme, Proteste
Neben Vermeidung, Förderung und Best-in-Class-Ansatz setzt sich innerhalb der nachhaltigen Geldanlage die Integration von Nachhaltigkeitskriterien bei der Risikobeurteilung von Unternehmen zunehmend durch. Immer mehr macht sich die Erkenntnis breit, dass ökologische und soziale Kriterien wichtige Faktoren für die Risikobeurteilung von Unternehmen sind. Unternehmen, welche zentrale Erfordernisse nachhaltiger Wirtschaftsweisen unberücksichtigt lassen, schädigen demnach nicht nur Gesellschaft und Umwelt, sondern auch sich selbst. Ein Unternehmen, welches die Herausforderungen des Klimawandels negiert und dem die Arbeitsbedingungen in weit entfernten Zulieferbetrieben egal sind, kann in absehbarer Zeit mit kostenintensiven gesetzlichen Änderungen, Schadenersatz-klagen, Imageproblemen und Kundenprotesten konfrontiert werden, die wiederum Auswirkungen auf den Geschäftserfolg des Unternehmens haben. Die Integration ökologischer und sozialer Kriterien in die Risikobeurteilung von Unternehmen birgt allerdings auch die Gefahr, dass Nachhaltigkeit auf eine Nutzenfunktion ökonomischer Gewinnmaximierung reduziert wird. Es ist deshalb wichtig an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass es sich hierbei um eine sinnvolle zusätzliche Maßnahme im Rahmen nachhaltiger Geldanlagestrategien handelt, dass aber eine nachhaltige Entwicklung damit alleine noch nicht zu gewährleisten ist. Viel mehr geht es darum, zentrale Nachhaltigkeitsaspekte auch losgelöst von ökonomischen Interessen durchzusetzen.
Stimmrechte einsetzen
Eine ebenfalls – zumindest im deutschsprachigen Raum – erst jüngere Entwicklung ist das Engagement. Viele nachhaltig orientierte Investoren in Deutschland legen vermehrt Wert darauf, ihre Ansprüche an eine verantwortungsvolle Wirtschafts-weise direkt an jene Unternehmen zu richten, in die sie investiert sind.1 Unter Engagement – im Kontext der nachhaltigen Geldanlage verwendet man die englische Ausdrucksweise – versteht man die aktive und direkte Gestaltung und Steuerung wirtschaftlicher Entscheidungs- und Handlungsprozesse auf der Basis des Dialogs mit Unternehmen. In der Praxis gibt es zwei sich durchaus ergänzende Varianten des Engagements. Einerseits können Investoren die Stimmrechte ihrer Aktien dazu einsetzen, um auf den Hauptversammlungen von Unternehmen Fragen zu stellen oder Anträge einzubringen. Damit können sowohl Missstände aufgezeigt als auch konkrete Vorschläge für eine nachhaltige Geschäftspolitik eingebracht werden. Andererseits bedeutet Engagement aber auch, dass im direkten Dialog und außerhalb der in der Regel nur jährlich stattfindenden Hauptversammlungen mit Unternehmensvertreter Strategien und konkrete Handlungsoptionen aufgezeigt werden, um wirtschaftliche Prozesse mit den Zielvorstellungen einer nachhaltigen Entwicklung in Einklang zu bringen.
Das Corporate Responsibility Interface Center (CRIC), eine Plattform ethisch und nachhaltig orientierter Investoren mit Sitz in Frankfurt am Main, entwickelt derzeit einen solchen Engagementansatz.2 CRIC vertritt derzeit ca. hundert institutionelle und private Investoren und tritt mit Unternehmen zu spezifischen und für das jeweilige Unternehmen relevante Nachhaltigkeitsthemen in einen Dialog. Nachdem diese Themen aus der Sicht nachhaltig orientierter Investoren dargelegt werden, geht es in einem weiteren Schritt darum, Optionen und Möglichkeiten aufzuzeigen, um Missstände zu beheben und eine ökologisch und sozial verantwortliche Wirtschaftsweise umzusetzen. Ansprechpartner sind dabei in erster Linie der Vorstand, aber auch andere Organe des Unternehmens wie etwa der Aufsichtsrat oder Personen im Nachhaltigkeitsmanagement. Konkret geht es dabei auch darum, bereits bestehende Nachhaltigkeitsbemühungen in Unternehmen zu unterstützen, ihnen einen zusätzlichen Impuls zu verleihen oder sie vielleicht sogar ins Ziel zu tragen. Die Praxis zeigt nämlich, dass in den meisten Unternehmen Menschen tätig sind, die sich der Bedeutung nachhaltiger Wirtschaftsweisen durchaus bewusst sind, denen jedoch zu deren Durchsetzung zusätzliche Argumente, Best-Practice-Beispiele oder strategische Allianzen fehlen.
Noch in der Nische
Die nachhaltige Geldanlage fristet in Deutschland zwar noch ein Nischendasein – der Marktanteil nachhaltiger Geldanlagen am gesamten in Deutschland veranlagten Vermögen betrug im Jahr 2007 etwas weniger als ein Prozent (11,1 Mrd. Euro).3 Gegenüber dem Jahr 2005 entspricht dies jedoch einem Zuwachs von 110 % und vieles deutet darauf hin, dass in Zukunft ähnliche Wachstumsraten zu erwarten sind. Institutionelle und private Investoren erkennen mehr und mehr die Möglichkeiten und Chancen einer auf ökologischen und sozialen Kriterien aufbauenden Geldanlage, die im Idealfall die verschiedenen Motive und Methoden der nachhaltigen Geldanlage kombiniert und so bestmöglich ihre Wirkung auf wirtschaftliche Entscheidungs- und Handlungsprozesse entfalten kann. Die Stadt München hat im Februar 2008 beschlossen, ihre Gelder nachhaltig anzulegen und zeigt damit, dass auch die öffentliche Hand einen Beitrag zu einem nachhaltigen Finanzmarkt leisten kann. Und letztendlich können auch einzelne private Geldanleger mittlerweile auf eine immer größer werdende Anzahl von nachhaltigen Geldanlageprodukten zurückgreifen und ihr Geld bei auf Nachhaltigkeit spezialisierten Banken anlegen. Damit werden wichtige ökologische und soziale Anliegen unterstützt, die notwendig sind, um die Finanzmärkte in den Dienst einer nachhaltigen Entwicklung zu stellen.
Referenzen
1Riedel S., Schneeweiß A., Chancen und Entwicklungsmöglichkeiten für ein Aktives Aktionärstum in Deutschland – eine Machbarkeitsstudie, Hannover 2008: http://www.suedwind-institut.de/downloads/SW_eBook_Aktives-Aktionaertstum_2008-12.pdf.
2Vgl. www.cric-online.org
3Eurosif (Hg.), European SRI Study 2008: http://www.eurosif.org/publications/sri_studies.
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