Mit KLASSE! echten Reporterstress erleben
Von Michael Schwager
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© Rainer Lahmann-LammertBildende
Forschen und veröffentlichen, das kann ganz schön Stress verursachen. Das erfuhren Haselünner Realschüler, als sie nach eigenen Wasseruntersuchungen den Landwirten am Ufer der Ems vorgeworfen hatten, den Fluss mit Nitrit zu verpesten. Die Bauern gingen auf die Barrikaden, die Schüler mussten zurückrudern. Und sie lernten dabei unheimlich viel über Wasseruntersuchungen und Journalismus – das alles mit KLASSE!
KLASSE! und KLASSE!Kids sind die Schulprojekte der Neuen Osnabrücker Zeitung und ihrer Lokalausgaben. In diesem Jahr haben sich bereits über 10.300 Kinder und Jugendliche aus mehr als 400 Klassen mit ihren Lehrern angemeldet. Seit Beginn des Projektes im Jahr 2003 haben sich inzwischen fast 50.000 Schüler beteiligt.Bildanfang
Schüler nimmt WasserprobeBildende
Ein Bestandteil des Projektes ist ein vier- beziehungsweise zweiwöchiges Freiabonnement für jeden teilnehmenden Schüler. Außerdem bekommen Lehrer Material, mit dem sie ihren Schülern das Medium Zeitung erklären können.
Ein weiteres Angebot dabei: Schüler werden selbst als Reporter aktiv. Nach der intensiven Beschäftigung mit der Tageszeitung wenden die Jugendlichen ihr neues Wissen über das gedruckte Medium praktisch an, recherchieren, sortieren, schreiben. Die Beiträge werden in der jeweiligen Lokalausgabe veröffentlicht. Bei der Themenwahl stehen Nachhaltigkeitsthemen im Vordergrund: im laufenden Schuljahr sollen sich die KLASSE!-Reporter mit dem Themenfeld Wasser beschäftigen.
Genau das haben die Haselünner Nachwuchsreporter gemacht. Die Schüler hatten das Wasser der Hase untersucht, um herauszufinden, ob der Fluss verschmutzt ist. In Experimenten (Teststreifen für Wasserhärte, Nitrit-/Nitratgehalt und pH-Wert) stellten sie fest, dass der Nitritgehalt viermal so hoch ist, wie er in Flüssen sein darf.
Der Haken an der Sache: Die Proben müssen in der Flussmitte genommen werden. Im ruhigen, manchmal stehenden Wasser am Ufer ist die Konzentration höher. Die Reaktion der Landwirte blieb nicht aus. Sie fühlten sich zu Unrecht beschuldigt und luden die Jugendlichen ein, sich einmal in ihren Betrieben umzuschauen und ihre Sicht der Dinge zu erfahren. Die Schüler bekamen weitere Inforomationen und ergänzten ihre anfängliche Berichterstattung. Eindrücklicher kann man eigentlich nicht lernen, dass Journalisten gründlich recherchieren und bei konfliktträchtigen Themen möglichst immer alle Seiten befragen müssen. Eine Lektion übrigens, für die die Jury im Artikelwettbewerb 2004 einen Sonderpreis vergab.
Grundschüler der Osnabrücker Franz-Hecker-Schule © Neue OZ/Jörn MartensBildende
Es muss aber bei KLASSE! oder KLASSE!Kids nicht immer nach der Methode "aus Fehlern lernen" gehen. Die meisten KLASSE!-Reporter recherchieren und berichten reibungslos über spannende Themen aus ihrem Umfeld. Die Neue Osnabrücker Zeitung als regionale Tageszeitung nutzt dabei ihre Verbindungen zu Institutionen und Lernstandorten in ihrem Verbreitungsgebiet und hilft – wenn gewünscht - den Nachwuchsreportern bei der Suche nach Experten.
Außerdem organisiert die Neue Osnabrücker Zeitung Reporterwerkstätten zum Thema Wasser: Wenn es in einer Klasse nur wenige an Wasser-Recherchen interessierte oder geeignete Schüler gibt, können diese Schüler von ihrem Lehrer stattdessen zur Reporterwerksatt geschickt werden. Dort erleben die Jugendlichen unter Anleitung von Redakteuren einen kompletten Reportertag – von der Konferenz mit Themenfindung und Rechercheplanung über das Sammeln der Infos bis hin zum Schreiben der Artikel. Wenn noch genug Zeit bleibt, gestaltet die meist aus mehreren Klassen und Schulformen zusammengesetzte Gruppe auch noch eine Sonderseite aus ihren Beiträgen.
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