Gewässerführer in Baden-Württemberg
Von Dr. Sandra Röck
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Kein Element ist so allgegenwärtig, so vielfältig erfahr- und erlebbar und faszinierend wie das Wasser. Dennoch sind Wertschätzung und Wahrnehmung von Wasser und Gewässern in unserer Bevölkerung und allgemein in westlichen Kulturkreisen tendenziell oft gering. Mit Hilfe von Gewässerführern möchte die WBW Fortbildungsgesellschaft für Gewässerentwicklung mbH im Auftrag des Umweltministeriums Baden-Württemberg dieser Tendenz entgegenwirken. Durch die Schaffung von emotionalen und persönlichen Bindungen soll eine Veränderung des individuellen Verhaltens erreicht werden.Bildanfang
Thema Stadtgewässer © Institut für LandespflegeBildende
Seit 2002 wurden in sechs Kursen Gewässerführer in verschiedenen Regionen Baden-Württembergs ausgebildet. Für 2009 sind zwei weitere Kurse geplant. Das Institut für Landespflege der Universität Freiburg hatte für die vergangenen Kurse ein umfassendes Konzept ausgearbeitet und evaluiert, damit ein entsprechender fachlicher Standard gewährleistet ist. Die Finanzierung der Ausbildungskurse wird durch das Umweltministerium Baden-Württemberg in Zusammenarbeit mit verschiedensten Trägern vor Ort (Volkshochschulen, Stiftungen etc.) gewährleistet.Bildanfang
Was lebt im Wasser? © Institut für LandespflegeBildende
Was sind nun Gewässerführer? Gewässerführer sind vor allem interessierte Bürgerinnen und Bürger, aber auch Vertreter von Behörden, Vereinen und Umwelteinrichtungen, Pädagogen oder Studenten, die sich im Rahmen eines mehrtägigen Kurses ausbilden lassen, um später das Erlernte im Rahmen von Führungen an den heimischen Gewässern weiter zu geben. Sie dienen damit als Multiplikatoren, die durch ihr Engagement und ihr Wissen das Erlernte lebendig an eine breitere Öffentlichkeit vermitteln.
Das Konzept der Gewässerführerausbildung
Die Ausbildung umfasst 18 – 20 Kurstage, verteilt über ein halbes Jahr. Damit auch Berufstätigen eine Teilnahme möglich ist, finden die Kurstage immer freitagnachmittags und samstags ganztägig statt.
Durch die Ausbildung sollen die Teilnehmer "Führungskompetenz" erlangen, also die Fähigkeit Führungen an Gewässern erfolgreich und interessant durchzuführen. Um dieses Ziel zu erreichen, decken die Kursinhalte vier Bereiche ab: (1) Fachwissen, (2) didaktische und pädagogische Grundlagen, (3) Ortskenntnis und (4) Begeisterung wecken.
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Erforschen der Gewässer © Ernst SchamburekBildendeDas Fachwissen wird durch unterschiedliche Fachreferenten vermittelt. Das Spektrum an Themen ist dabei breit gefächert. Dazu gehören ökologische, limnologische, und hydrologische Grundlagen, Aspekte des Wasserrechts und der nationalen und internationalen Wasserpolitik, die EU-Wasserrahmenrichtlinie, die Themenkomplexe virtuelles Wasser, Trink- und Abwasser, Gewässerentwicklung und –pflege, sowie geschichtliche Aspekte der Gewässernutzung, aber auch Sagen, Märchen und Geschichten rund ums Wasser.
Als Nachschlagewerk wird ein umfangreicher Materialordner zur Verfügung gestellt. Dieser wurde im Vorfeld von einer Arbeitsgruppe bestehend aus Gewässer- und pädagogischen Fachleuten erarbeitet. Die Materialen decken sich mit den Kursinhalten und haben landesweite Gültigkeit. Während der Kurse wird der Ordner durch regionale Materialen ergänzt und erweitert, welche von den Fachreferenten vor Ort zu den jeweiligen Themen ausgegebenBildanfang
Kunst am Gewässer selbst ausprobiert © Ernst SchamburekBildende werden.
Didaktische und pädagogische Grundlagen werden im gesamten Kursverlauf vermittelt und können sogleich ausprobiert und umgesetzt werden. Tipps, wie man beispielsweise spielerisch oder anschaulich durch Experimente bestimmte Inhalte für unterschiedliche Ziel- und Altersgruppen vermitteln kann, wurden in der Gruppe selbst ausprobiert.
Die Teilnehmer bekommen gute Ortskenntnisse, da die Ausbildung immer vor Ort an verschiedenen regionalen Gewässern durchgeführt wird. Damit fällt den Gewässerführern später der Einstieg in die eigene Führungstätigkeit leichter, da geeignete Örtlichkeiten bereits bekannt sind.
Generell baut die Ausbildung auf eine erlebnisorientierte Wissensvermittlung auf. Der Kontakt zum Element Wasser und zu den örtlichen Gewässern wird gefördert und gefestigt, durch mehr Wissen, aber auch durch den spielerischen, künstlerischen und meditativen Umgang mit dem Wasser. Diese Form der Wissensvermittlung wurde bei der Evaluation durchweg als positiv empfunden. Da eine persönliche und emotionale Beziehung aufgebaut wird, wird die Motivation etwas für die Gewässer zu tun gesteigert.
Gewässerführer heute
Die derzeit aktiven Gewässerführergruppen bieten Führungen und Veranstaltungen an ihren heimischen Gewässern an. Angeboten werden Führungen für Bildanfang
Einfache Experimente © Institut für LandespflegeBildendeBürgerinnen und Bürger, Touristen, Vereine, Geburtstagsfeiern, Firmen, Schulen, Kindergärten, Jugendgruppen usw. Die Einsätze sind vielfältig und getragen von Begeisterung. Dass sie eine positive Wirkung auf die Teilnehmenden haben, zeigt sich vor allem an der steigenden Nachfrage, sobald sich die Gewässerführer vor Ort etabliert haben.
Um einen Erfahrungsaustausch zu gewährleisten, stehen die Gewässerführergruppen untereinander in Kontakt. Sie treffen sich mindestens einmal im Jahr. Zusätzlich wird jährlich eine Fortbildung angeboten, die von der WBW Fortbildungsgesellschaft mbH bzw. dem Umweltministerium Baden-Württemberg organisiert und getragen wird.
Fazit
Die bisherigen Erfahrungen und die Nachfrage zeigen, dass durch dieses Konzept das bürgerliche Engagement angeregt und gesteigert werden kann. In den Kursen haben sich Personen unterschiedlichster Ausbildung und Herkunft zu Gewässerführern ausbilden lassen. Sie haben die Kompetenzen erworben beim Thema Wasser und Gewässer mitreden zu können, die Probleme im Wassersektor erkennen und verstehen zu können, sowie Entscheidungen und Veränderungen bei der heimischen Gewässerentwicklung forcieren zu können. Die wichtigste Kompetenz ist jedoch die Fähigkeit, anderen die Themenkomplexe Wasser und Gewässer mit Begeisterung näher zu bringen, welche sich besonders gut eignen die Leitgedanken der Nachhaltigkeit in die breite Öffentlichkeit zu tragen.
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