Naturwissenschaften hautnah erleben - Grundschüler auf der Spur des Wassers
Von Karin Lendle und Dr. Rainer Tempel
Bildanfang
Bildende
Seit drei Jahren läuft das Kooperationsprojekt "Naturwissenschaften hautnah erleben" zwischen der Berufsbildenden Schule Naturwissenschaften Ludwigshafen am Rhein (BBS) und Grundschulen der Region. In diesem Jahr fand die Kooperation zwischen einer Klasse der umweltschutztechnischen Assistenten (UTA 2) und der Klasse 2d der Grundschule Schillerschule statt. Mit dieser Klasse wird bis zum Ende ihrer Grundschulzeit jedes Jahr ein Kooperationsprojekt durchgeführt werden, wobei das Thema Wasser zwar spielerisch und handlungsorientiert, aber auch immer wissenschaftlicher betrachtet werden wird. So wird einerseits bei den Kindern die Neugier auf naturwissenschaftliche Fächer geweckt und das Umweltbewusstsein gefördert, andererseits ist es aber auch eine Möglichkeit für die Schüler und Schülerinnen der Berufsbildenden Schule ihr eigenes Wissen durch Lehren zu vertiefen.
Ganz wesentlich dabei ist aber vor allem, dass hier Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) betrieben wird, denn durch die Art dieses Projektunterrichts werden eine ganze Reihe von Teilkompetenzen der für BNE wesentlichen Gestaltungskompetenz angebahnt oder vertieft, sowohl bei den "UTAs" als auch bei den Grundschulkindern (GK):
- "Vorausschauend denken und handeln" durch Versuchsplanung (UTA) und gedankliche Übertragung auf die Realität (GK)
- "Interdisziplinär Erkenntnisse gewinnen und handeln" durch den Einbezug aller naturwissenschaftlichen Disziplinen (GK) sowie durch pädagogische, methodische und didaktische Überlegungen (UTA)
- "Gemeinsam mit anderen planen und handeln können" – dies gilt insbesondere für die UTAs, denn sie müssen sich untereinander abstimmen, um die Lernstationen sinnvoll zu kombinieren
- "Andere motivieren aktiv zu werden" wie auch "sich motivieren können, aktiv zu werden" – diese Teilkompetenzen ergeben sich fast zwangsläufig durch gut geplante und erfolgreich verlaufende Projekte.
Bildende
Seit Beginn des Schuljahres 2008/09 wird das Projekt von der Firma PfalzMetall unterstützt. Weitere Förderer sind: die BASF, die Sparkasse Ludwigshafen am Rhein sowie der Förderverein der Berufsbildenden Schule Naturwissenschaften Ludwigshafen/Rhein.
Im Vorfeld der Projekttage wurde in der Grundschule erarbeitet, welche Bedeutung Wasser im Alltag hat, wie die Wasserverteilung auf der Erde ist, welche Worte mit Wasser als Vorsilbe gebildet werden können und welche Lieder sich um Wasser drehen. Es wurden sowohl englische als auch deutsche Songs eingeübt.
Dann besuchte die UTA-Klasse die Schillerschule, um gemeinsam mit den Kindern dem Phänomen Wasser auf die Spur zu kommen.
25 Grundschulkinder - verteilt auf sechs Gruppen - staunten nicht schlecht, als gleich zu Beginn ein Wasserfleck an der Tafel binnen acht Minuten verschwand. An neun Stationen, die jeweils von den umweltschutztechnischen Assistenten besetzt waren, bekamen die Grundschüler Informationen über die besonderen Eigenschaften des Wassers. Versuche, die die Kinder selbst durchführten, gaben wichtige Einblicke in die physikalischen Eigenschaften des Wassers. Die Kinder staunten, vermuteten, beobachteten, erkannten, begriffen und lernten schließlich, warum ein Schiff schwimmt, Büroklammern auf der Wasseroberfläche liegen und erst untergehen, wenn Spülmittel in das Wasser gegeben wird, nicht alle Stoffe wasserlöslich sind, Filzstifte aus mehr Farben bestehen als sie nach außen hin zeigen und dass ein Glas, welches randvoll mit Wasser gefüllt ist, noch mindestens zwanzig 10 Centmünzen schlucken kann, bevor es überläuft. So ganz nebenbei lernten die Kinder die Farben des Regenbogens auf Englisch und andere Begriffe, die mit Wasser zu tun haben. Ein Quiz rundete die Veranstaltung ab.
Drei Tage später waren die Grundschulkinder zusammen mit ihrer Klassenlehrerin und ihrer Rektorin zu Gast in der BBS. Empfangen wurde die ethnisch gemischte Klasse mit einem effektvollen Phänomen - einem Geysir aus einer Flasche - bevor sie in den verschiedenen Muttersprachen der Kinder begrüßt wurde. Zu hören waren Türkisch, Italienisch, Kroatisch, Polnisch, Russisch, Thailändisch und Deutsch. Die Gruppeneinteilung wurde beibehalten und die Kinder begaben sich zu den Labortischen, an denen eine Versuchseinheit aufgebaut war. Hier hatten sie die Möglichkeit, das zuvor Gelernte anzuwenden Bildanfang
Bildendeund umzusetzen. Zuerst durften sie Schmutzwasser herstellen, um es später wieder zu reinigen. Aber wie? Das war die Frage. Aus den Vorversuchen des ersten Projekttages wussten die Kinder, Sand setzt sich am Boden ab, Salz löst sich in Wasser und kann wieder gewonnen werden, Holzstückchen schwimmen auf dem Wasser, können also abgesiebt werden. Wie aber kann Tinte wieder aus dem Wasser entfernt werden? Wie Kaffeesatz? In der Minikläranlage lernten die Kinder Aktivkohle als Stoff kennen, der Farbstoff "bindet" und Filtern als Möglichkeit, Kaffeesatz festzuhalten.
"Guck mal", ruft Giuseppe Sina von der anderen Gruppe zu, "unser Wasser ist wieder ganz sauber!" Stolz zeigt er das Glas herum. "Darf ich auch noch einmal die Pipette haben?" will Martina wissen und schaut Nele, die UTA-Schülerin, bittend an.
Wie eine Kläranlage funktioniert veranschaulichte dann ein entsprechendes Modell, welches aufgebaut wurde.
Zum Abschluss und zur Entspannung durften die Kinder dann im Pausenhof aktiv werden, wo mittlerweile Herr Weber von der Berufsfeuerwehr seine Materialien aufgebaut hatte, um mit den Schülerinnen und Schülern Feuerlöschübungen durchzuführen. Alle waren "Feuer und Flamme" bemerkten sogar den Regen nicht, sondern stellten sich brav an und warteten sehnsüchtig und ungeduldig, bis sie endlich an der Reihe waren.
"Für die Auszubildenden ist Projektarbeit eine gute Möglichkeit, Selbstorganisiertes Lernen zu lernen. Die Projektarbeit als Lerngegenstand wird zur Selbstentwicklung kognitiver Systeme, die von Relevanz, Authentizität und Situiertheit geprägt sind. Wissen wird im Augenblick des Handelns selbst organisiert. Jeder Schüler kann losgelöst von Leistungsdruck und Leistungskontrolle individuell seine Fähigkeiten und Begabungen einbringen. So wird auch bei meinen Schülern spielerisch Selbstorganisiertes Lernen eingeübt. Dies führt langfristig zum Erwerb von Handlungskompetenz. Handlungsorientierung, Selbstständigkeit, Erfahrungslernen, soziales Engagement und Freude am Lernen konnten ebenso beobachtet werden wie wissenschaftliche Neugierde und Kreativität." (Karin Lendle, Projektleiterin und Klassenleiterin der UTA 2)
Springen Sie direkt: zur Hauptnavigation, zum Seitenanfang



