Wasser und Extremereignisse
Von Prof. Dr. Uwe Grünewald
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Bekanntermaßen spielt die Naturressource "Wasser" im Bewusstsein der breiten Öffentlichkeit vor allem dann eine Rolle, wenn viel zu wenig oder viel zu viel da ist oder wenn dessen inzwischen selbstverständlich gehaltene gute Beschaffenheit wichtige Nutzungen nicht zulässt. Von allen Naturgefahren, die weltweit auftreten, werden den Überschwemmungen die größte Häufigkeit, die größten volkswirtschaftlichen Schäden und sogar die größte Anzahl von Todesopfern zugeordnet.
Besonders seltene, extreme Flusshochwasser - wie das beispielsweise im August 2002 im Ober- und Mittellauf der Elbe - haben im Laufe der Geschichte auch in unseren Regionen immer wieder gnadenlos die Schwachstellen der gesellschaftlichen und privaten Hochwasservorsorge aufgezeigt.
Extreme Niedrigwasserabflüsse, wie sie z.B. deutschlandweit im Jahr 2003 und 2006 auftraten, sind nicht ungewöhnlich in unserer Region. Auch sie sind mit der Einschränkung gewohnter Nutzungen verbunden und legen ebenso immer wieder die Schwachstellen auch hochindustrialisierter und scheinbar hochorganisierter Gesellschaften offen (z.B. Einschränkung bei Schifffahrt und Energieerzeugung; lokale Trinkwasserprobleme; drastische Verschlechterung der Wasserqualität z.B. in rückgestauten Fließgewässern).
Hochwasser und Niedrigwasser sind Bestandteil des räumlich und zeitlich stark ungleichmäßig verteilten Wasserkreislaufes der Erde. Insofern sind sie für die "Natur" keine Katastrophen. Ein Hochwasser wird aus menschlicher Sicht zu einer Katastrophe, wenn es sich in seinen Merkmalen (z.B. Scheiteldurchfluss, Scheitelwasserstand, Dauer) so zu einem "Ereignis im Raum konzentriert, bei dem eine Gesellschaft einer schweren Gefährdung unterzogen" wird. Dabei treten derartige Verluste an Menschenleben oder materielle Schäden ein, dass die lokale gesellschaftliche Struktur versagt und alle oder einige wesentliche Funktionen der Gesellschaft nicht mehr erfüllt sind.
Insofern sind "Schäden" durch wassergebundene Extremereignisse immer zu verknüpfen auch mit "Eintrittswahrscheinlichkeiten". Die Schnittmenge von beiden wird oft als "Hochwasserrisiko" bezeichnet.
Das notwendige "Management des Hochwasserrisikos" lässt sich als Kreislauf von Hochwasservorsorge und Hochwasserbewältigung darstellen.
Ein besonderes Problem stellt die Kommunikation zum Risiko von wassergebundenen Extremereignissen dar, weil das Gefahrenbewusstsein z.B. für Überschwemmungen in der Öffentlichkeit immer wieder sehr schnell abklingt.
Hier sollte vor allem bei der Erarbeitung von Bildungsmaterialien zur Problematik "Wasser und Extremereignisse" angesetzt werden. Die mit Naturgefahren viel häufiger und unmittelbarer konfrontierten Alpenländer Schweiz und Österreich gehen mit dieser Problematik wesentlich offensiver und unverklemmter um. In Deutschland tendiert man eher dazu, (Natur-)Gefahren klein zu reden und die Bevölkerung eher in Sicherheit zu wiegen.
Die Palette der Bildungsarbeit ist breit. Sie reicht von (Wander-)Ausstellungen, Senioren- und Kinderuniversitäten, Flyern bis hin zur Einbindung in schulische und universitäre Lehrveranstaltungen. Vor allem Kinder können als Multiplikatoren dienen. Insofern besteht auch die Aufgabe und die Chance, die Problematik "Wasser und Extremereignisse" stellvertretend für die notwendige "Vorsorge gegen Naturgefahren" verstärkt in die schulische und außerschulische Bildung bzw. in die Lehrmaterialentwicklung aufzunehmen. Die Katastrophenvorsorge ist bekanntermaßen kein lukratives Thema für die auf Schlagzeilen und dramatische Bilder orientierten Massenmedien.
Sie tendieren eher zum "Katastrophismus" als zur problembezogenen Aufarbeitung der Problematik. Chancen könnten sich auch ergeben bei der Entwicklung von Anpassungsstrategien und -taktiken an den Klimawandel, wobei aber der Blick in die Historie zeigt, dass eine Verbesserung der Risikokommunikation und des Risikomanagements auch ohne Klimawandel bereits heute dringend erforderlich ist.
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