Internationales Wildniscamp im Nationalpark Bayerischer Wald
Schlafen in luftiger Höhe – in Hängematten im Baumhaus. © Nationalparkverwaltung Bayerischer WaldBildende
Das Schutzgebietskonzept von Nationalparks ist eine weltweite Idee, die sich den Erhalt des ursprünglichen Naturerbes auch für künftige Generationen zum Ziel gesetzt hat. Das weltumspannende Konzept eröffnet eine globale Perspektive für gemeinsames Lernen nachhaltiger Schutz- und Nutzungskonzepte. Nationalparks bieten daher ideale Ansatzpunkte für die Umsetzung der Ziele der UN-Dekade "Bildung für nachhaltige Entwicklung 2005-2014", insbesondere für die internationale Zusammenarbeit, welche im "Nationalen Aktionsplan für Deutschland" als eines der vier Hauptziele festgeschrieben ist.
Das Konzept des Wildniscamps am Falkenstein – in naturnaher Umgebung in einfachen Themenhütten ohne großen Komfort zu wohnen und die Hütten als Inspiration für die Projektarbeit während des Aufenthalts im Camp zu nutzen – hat sich sehr bewährt. Durch die pädagogische Betreuung sowie alleine durch die Umgebung ergibt sich eine Vielzahl von Anknüpfungspunkten, die während des einwöchigen Aufenthalts von den Gruppen in Projekten weitgehend frei ausgestaltet werden können. Die Gruppen greifen diese Möglichkeiten mit großem Engagement auf und Rückmeldungen von Lehrern belegen, dass die Aufenthalte im Wildniscamp lange nachwirken. Die pädagogische Arbeit in den neu entstandenen Länderhütten im internationalen Teil des Wildniscamps greift das erfolgreiche Bildungskonzept des bestehenden Wildniscamps auf und entwickelt es weiter.
Mit Unterstützung der Partner aus Asien, Afrika und Lateinamerika, die über die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) und den Deutschen Entwicklungsdienst (DED) vermittelt wurden,sind einfache Unterkünfte (Hütten oder Zelte) indigener und anderer traditioneller Bewohner von Nationalparken aus aller Welt (Venezuela, Brasilien, Chile, Benin, Vietnam, Mongolei, Russland (Sibirien), Deutschland/Tschechien) entstanden, in denen Gruppen jeden Alters, vor allem jedoch Jugendgruppen übernachten können. Diese Hütten, die Schutzgebiete aus denen sie kommen und die Menschen die traditionellerweise darin wohnen bieten Anknüpfungspunkte für die Bildungsarbeit mit den Gruppen. Die Hütten bzw. Zelte sind von der Architektur und Inneneinrichtung her im Stil der jeweiligen Ursprungsländer gebaut und unter Anleitung von Fachleuten aus den Schutzgebieten aufgestellt worden.
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Kinder vor der chilenischen Ruka im Nationalpark Bayerischer Wald. © Nationalparkverwaltung Bayerischer WaldBildende
Im Internationalen Wildniscamp finden Globales Lernen und Umweltbildung an einem Ort zusammen. Die intensive Naturerfahrung während der mehrtägigen Aufenthalte im Wildniscamp und das Eintauchen in andere Kulturen und Lebensweisen bieten authentische Erlebnisse, die nachweislich von großer Bedeutung für individuelles Umwelthandeln sind. Eigene Erfahrungen, erworbenes Sachwissen und die kognitive Auseinandersetzung mit den gewonnenen Eindrücken unterstützen die Ausbildung von Werten. Die systematische Einordnung von Sachverhalten und die wertungsfreie Begleitung von Entscheidungsprozessen durch Erwachsene fördern die Kompetenzen der Jugendlichen. Die oftmals überwältigende Komplexität der globalisierten Welt wird durch die Länderhütten im Camp auf ein fassbares und nachvollziehbares Maß herunter gebrochen. Das weltumspannende Schutzgebietskonzept von Nationalparken bietet hier geeignete Ansatzpunkte. Ziel der pädagogischen Arbeit im Wildniscamp ist es, den Menschen Motivationen und Fähigkeiten mit auf den Weg zu geben, um ihre Zukunft im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung selber in die Hand zu nehmen und aktiv mit zu gestalten.
Die pädagogische Arbeit mit den Gruppen steht immer unter einem übergeordneten Leitthema. Neben Programmen zum globalen Klimawandel wird auch das Thema kulturelle und natürliche Vielfalt aufgegriffen: "Die Vielfalt des Lebens". Die Themen werden von den Kleingruppen in den einzelnen Länderhütten bearbeitet und immer wieder in der Gesamtgruppe zusammengetragen. Ausgangspunkt sind die Situationen in den jeweiligen Partnerschutzgebieten und das tägliche Lebensumfeld ihrer Bewohner, repräsentiert durch die traditionellen Wohnstätten im Wildniscamp.
Das Internationale Wildniscamp ist eingebettet in ein umfangreiches Netzwerk. Die internationale Vernetzung wurde möglich durch die gemeinsame Arbeit mit der deutschen Entwicklungszusammenarbeit und wird konkret in der Kooperation mit den beteiligten internationalen Schutzgebieten und lokalen Jugendgruppen im Umfeld dieser Partner-Schutzgebiete. Auf nationaler Ebene sind verschiedene Bildungsakteure beteiligt, die bei der didaktischen Konzeption oder Evaluation beraten und bei der Umsetzung unterstützen. Auf regionaler Ebene sind neben den beiden Nationalparks Bayerischer Wald und Šumava viele lokale Gruppen eingebunden, die Patenschaften für einzelne Länderhütten bzw. Partner-Schutzgebiete übernommen haben. Die Zusammenarbeit erfolgt sowohl innerhalb der Ebenen als auch Ebenen übergreifend und reicht von der lokalen Jugendgruppe im Bayerischen Wald bis hin zu jungen Indigenen aus Westsibirien.
Im Mai 2008 treffen sich im Wildniscamp 50 Jugendliche aus 16 Nationen um sich gemeinsam auf die Weltnaturschutzkonferenz in Bonn vorzubereiten. Auf diesem International Youth Summit wird das Thema Biodiversität aus unterschiedlichsten Blickwinkeln betrachtet und letztlich bringen die jungen Menschen ihre Gedanken und Forderungen auf der Biodiversitätskonferenz in Bonn ein. Nähere Informationen hierzu finden Sie im Beitrag von Christine Haupt in dieser Ausgabe des BNE-Journals ebenso wie auf der Homepage der Veranstaltung.
www.go4biodiv.com
www.wildniscamp.de
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