BIOPOLI – Ein Jugendbildungsprojekt zur biologischen Vielfalt
Von Mireille Hönicke
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Bildende
"Wozu brauchen wir die biologische Vielfalt?" Diese und andere Fragen sind nicht nur von großer Bedeutung für die Menschen der so genannten Entwicklungsländer, sondern auch für uns Europäer. Der Verlust einzelner Tier- und Pflanzenarten (z. B. Panda, Wal, Orchideen) erfährt relativ viel Aufmerksamkeit, aber der Verlust der genetischen Vielfalt innerhalb einer Art ist genauso tragisch und sehr viel häufiger. Dies gilt besonders auch für landwirtschaftliche Kulturpflanzensorten und Nutztierrassen. Seit 1910 sind 75 Prozent der bekannten Kulturpflanzensorten verloren gegangen. Der Verlust der genetischen Vielfalt gefährdet unsere Ernährungssicherheit weltweit.
Das Jugendbildungsprojekt BIOPOLI bietet Schülern und jungen Erwachsenen den Blick über den schulischen oder heimatlichen Tellerrand hinaus und das Denken in größeren Zusammenhängen. Biologische Vielfalt in der Ernährungssicherung, Saatgut und die Rechte der Bauern weltweit stehen hierbei im Mittelpunkt. Mit interessanten Bildungseinheiten soll erreicht werden, dass der Zusammenhang zwischen genetischer Vielfalt als Teil der biologischen Vielfalt und der Zukunft der Ernährungssicherung deutlich wird. Die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen im Konflikt um die Nutzung dieser Ressourcen werden aus der Sicht von Nord und Süd bearbeitet. Die Interessen internationaler Agrarkonzerne, die Verhandlungen zu den relevanten Abkommen, wie der Konvention über biologische Vielfalt und die Bedeutung eines Patentrechts auf lebende Materie stehen im Mittelpunkt einer differenzierten Aufarbeitung.
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Zwei Jugendliche stellen die Ergebnisse der Gruppenarbeit vor. © Buko Agrar KoordinationBildende
Die Idee für das BIOPOLI-Projekt entstand als Gegenbewegung der Bildungsoffensive der Gen- und Biotechnologie. Seit Ende der neunziger Jahre versuchen diese mit der Verteilung von kostenlosen Bildungsmaterialien und einer "rollenden" Ausstellung zum Thema Gentechnik in sogenannten "Biotech-Trucks" Schüler und Lehrer von den Vorteilen der Bio-/Gentechnologie zu überzeugen. Dies motivierte die Mitarbeiter der BUKO Agrar Koordination ein Konzept zu entwickeln, das Jugendlichen im Alter von 15-25 Jahren die Möglichkeit bietet, sich auch kritisch mit den ökologischen, sozialen und entwicklungspolitischen Auswirkungen einer industrialisierten und globalisierten Landwirtschaft auseinander zu setzen.
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Eine Gruppe von Jugendlichen beim Rollenspiel. © Buko Agrar KoordinationBildende
Diese Überlegung mündete darin, dass Referenten an Schulklassen und Jugendgruppen durch die BUKO Agrar Koordination vermittelt werden. In Qualifizierungsseminaren werden die BIOPOLI-Referenten fortlaufend methodisch und inhaltlich geschult. Momentan stehen 40 Referenten in ganz Deutschland zur Verfügung. In einer Doppelstunde, an einem Projekttag oder während einer Projektwoche erarbeiten sie gemeinsam mit den Jugendlichen die angebotenen Themen. Dies wird z. B. in der Kombination eines Vortrags mit Gruppenarbeit, Rollenspiel oder Diskussion umgesetzt. Durch die Darstellung sachlicher Hintergründe und unterschiedlichen Positionen soll Jugendlichen die Möglichkeit zur eigenen Meinungsbildung geboten werden. In diesem Prozess soll verdeutlicht werden, welche entwicklungs- und umweltpolitischen Verflechtungen zwischen den alltäglichen Konsum- und Eßgewohnheiten der industrialisierten Länder des Nordens und deren Auswirkungen auf die so genannten Entwicklungsländer im Süden bestehen. Diese Sensibilisierung will anregen, eigenes Handeln zu überdenken bzw. zu ändern. Darüber hinaus werden Jugendliche aufgefordert, sich in gemeinnützigen Organisationen verstärkt umwelt- und entwicklungspolitisch zu engagieren.
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Jugendliche arbeiten an einem Plakat. © Buko Agrar KoordinationBildende
Mittlerweile umfasst das BIOPOLI-Projekt sieben Themenbereiche: Agro-Gentechnik, biologische Vielfalt und Ernährungssicherung, Biopiraterie und Patente auf Leben, Weltagrarhandel, Pestizideinsatz in Nord und Süd und landwirtschaftliche Vielfalt in Hinblick auf die 9. UN-Vertragstaatenkonferenz zur Konvention über Biologische Vielfalt 2008 in Bonn. Aktuell wird das Projekt um das Thema Agrarkraftstoffe erweitert.
Die Themen entsprechen den Zielvorgaben der Bildung für eine nachhaltige Entwicklung und sind fächerübergreifend. Sie eignen sich in hohem Maße zum interdisziplinären Lernen. Bildungsmaterialien zu den BIOPOLI-Themen sowie eine Ausstellung zum Ausleihen "BIOPOLI Genetische Vielfalt in der Landwirtschaft" ergänzen das Angebot.
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