BNE-Journal: Biologische Vielfalt im Kontext von Bildung für nachhaltige Entwicklung

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Online-Magazin "Bildung für nachhaltige Entwicklung"




Biologische Vielfalt im Kontext von Bildung für nachhaltige Entwicklung

Von Jürgen Wolters

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In diesen Tagen werden Akteure der umwelt- wie entwicklungspolitischen Szene verstärkt mit der Frage von Bürgerinnen und Bürgern konfrontiert, wie man denn zur Verwendung von Biokraftstoffen stehe: Ein für den Klimaschutz segensreiches Instrumentarium zur Senkung des Einsatzes fossiler Energieträger? Oder ein Fluch für Mensch und Natur gerade in der Dritten Welt, wo die starke Ausdehnung des Anbaus von Bioenergiepflanzen mehr und mehr Lebensmittel unerschwinglich und natürlichen Lebensraum für Tiere und Pflanzen knapp werden lässt? Wer bei Politik wie Experten Rat sucht, erlebt derzeit eine Bundesregierung, die in Sachen Bioenergie zerstritten ist, und eine grüne Expertenriege, die von den weitreichenden Folgen einer selbst mit angestoßenen Debatte über klimaneutrale Strategien zur Reduzierung des globalen Treibstoffhungers selbst überrascht wurde.

Der Vorgang offenbart Symptomatisches des Nachhaltigkeitsdiskurses. Er zeigt, wie komplex und schwierig die Suche nach und die Umsetzung von zukunftsfähigen Strategien des Wirtschaftens und Konsumierens sein kann. Und die Akteure entwicklungspolitischer Bildung wie der Umweltbildung stehen vor der Herausforderung, ihrer Klientel nicht nur in dieser Frage Kompetenz zur Beteiligung am Nachhaltigkeitsdiskurs zu vermitteln.

So zumindest formuliert es die Agenda 21, die sich – ziemlich neu für Vereinbarungen der internationalen Staatengemeinschaft – nicht nur an die verantwortliche Politik wendet, sondern darüber hinaus auch an die Wirtschaft und nicht zuletzt an die Zivilgesellschaft. Die Forderung, dass über kommunale Agenda-Prozesse direkte Bürgerbeteiligung zum Baustein breit verankerter globaler Umwelt- und Sozialverantwortung werden soll, die Forderung, Kinder und Jugendliche in die Findung zukunftsfähiger Lebensentwürfe einzubeziehen und nicht zuletzt die Deklaration einer neuen Verantwortlichkeit von Bildungsträgern (staatlichen wie nichtstaatlichen), dafür notwendiges Wissen und Handlungsoptionen zu vermitteln, sind elementare Bausteine des auf dem Erdgipfel 1992 in Rio de Janeiro verabschiedeten Hausaufgabenbuches für das 21. Jahrhundert. Das Eingangsbeispiel zeigt, dass sich die Promotoren einer Bildung für nachhaltige Entwicklung dabei mit recht anspruchsvollen und zumindest aus dem Blickwinkel der klassischen Umweltbildung auch ziemlich neuartigen Aufgaben konfrontiert sehen.

Dass vielerorts kommunale Agenda-Prozesse über Alibi-Aktivitäten nie hinauskamen und längst ad acta gelegt wurden, oder dass etwa der schulische Bildungssektor trotz ehrgeiziger Entwicklungs- und Implementierungsprogramme immer noch weit entfernt ist von einer formal curricularen Verankerung von Bildung für nachhaltige Entwicklung, wird heute von vielen als enttäuschend und demotivierend empfunden. An der Herausforderung für Schule und außerschulische Bildungsträger, sich der konsequenten Implementierung von Bildung für nachhaltige Entwicklung zu stellen, ändert dies jedoch nichts.

Dafür sorgen vor allem zwei Umstände. Zum einen die Tatsache, dass gerade prominente Aktionsfelder der Agenda 21 wie der Klima- und Biodiversitätsschutz in völkerrechtlich verbindliche Konventionsform überführt wurden. Sie stehen die laufenden Verhandlungsprozesse auf der nationalen und internationalen Politikagenda und werden von den Medien entsprechend transportiert und reflektiert. Die in diesen Tagen in Bonn anstehende 9. Vertragsstaatenkonferenz des Übereinkommens über die biologische Vielfalt ist dafür das aktuellste Beispiel. Dieses Ereignis wird in der Bundesrepublik voraussichtlich ein Medienecho und eine öffentliche Aufmerksamkeit erfahren, wie wir es seit dem Erdgipfel 1992 in Rio de Janeiro nicht erlebt haben.

Der zweite Grund ist, dass auch für uns Mitteleuropäer lange prognostizierte negative Umweltveränderungen mindestens am Beispiel Klimawandel inzwischen haptisch erlebbar und zum Dauergesprächsstoff wurden; sei es, weil sich auch vor der eigenen Haustür Klimaextremereignisse zu häufen beginnen; sei es, weil klimatische Erwartungen an traditionell beliebte mediterrane oder alpine Feriendestinationen enttäuscht werden.

Mindestens der Klimawandel, aber in seinem Gefolge auch dessen dramatische Auswirkungen für Fauna und Flora, wecken in der Bevölkerung inzwischen den Wunsch nach mehr Information und Aufklärung sowie nach konkreten Handlungsoptionen. Bildung für nachhaltige Entwicklung, aber eben auch traditionelle Umwelt- wie entwicklungspolitische Bildung müssen sich dem kompetent stellen. Dass das für den gesamten Bereich der außerschulischen Bildungslandschaft gleichzeitig eine neue fachliche wie ökonomische Perspektive liefert, sich mit innovativen Programmangeboten neu aufzustellen und neue Zielgruppen zu erschließen, versteht sich dabei fast von selbst. Nur: die Aufgabe will fachlich bewältigt sein.

Naturressourcen und ihre Verfügbarkeit sind ein Kernthema der entwicklungspolitischen Bildung, Fauna und Flora stehen im Fokus der traditionellen Umweltbildung. Der relativ junge Begriff "Biologische Vielfalt" bzw. die Biodiversitätskonvention nimmt beide Themenbereiche in den Blick und verfolgt drei Hauptziele,

  • die Erhaltung der biologischen Vielfalt,
  • die nachhaltige Nutzung ihrer Bestandteile,
  • die gerechte Verteilung der Vorteile aus der Nutzung von Fauna und Flora, insbesondere aus der Nutzung genetischer Ressourcen.

Schutz wie nachhaltige Nutzung der Natur und ihrer Bestandteile sind also gleich bedeutende und gleichsinnige Anliegen des Übereinkommens und prägen seit eineinhalb Jahrzehnten die globale Debatte zur Bewahrung von Fauna und Flora.

Als Rahmenkonvention behandelt das Übereinkommen rein ökologische Aspekte wie den Schutz der Vielfalt der Ökosysteme, aber auch primär ökonomische Herausforderungen wie angemessene Formen dauerhaft naturverträglicher Nutzung von Naturressourcen.

Biologische Vielfalt im Sinne der Konvention umfasst die Vielfalt von Ökosystemen ebenso wie die Arten- und die genetische Vielfalt. Was Sinn macht, weil das Übereinkommen auch den Umgang mit den durch Zuchtwahl oder Gentechnologie erzeugten pflanzlichen oder tierischen Bestandteilen etwa der Agrarbiodiversität behandelt und der Handhabung und dem Umgang mit gentechnisch veränderten Organismen inzwischen ein eigenes völkerrechtlich verbindliches "Internationales Protokoll über die biologische Sicherheit" widmet.

Die Konvention greift eine Vielzahl weiterer Handlungsfelder auf. Dazu zählt der Schutz vor den Auswirkungen schädlicher Neobiota ebenso wie notwendige Handlungsstrategien zur Bewahrung existenziell gefährdeter Bestandteile der natürlichen und domestizierten Formenvielfalt.

Nicht zuletzt spielen in der Biodiversitätskonvention soziale und sozioökonomische Aspekte eine wichtige Rolle. So beschäftigen sich die Vertragsstaatenkonferenzen und Fachorgane der Konvention von Beginn an mit der Regelung des Zugangs zu genetischen Ressourcen der jeweiligen Ursprungsländer, mit der gerechten Gewinnbeteiligung an der Nutzung von Naturressourcen, mit Eigentumsrechten an der Natur – auch mit geistigen Eigentumsrechten, zum Beispiel mit der Anerkennung und Entlohnung des Wissens um die Nutzungsmöglichkeiten von Tieren und Pflanzen für pharmazeutische Zwecke.

Aus dem Blickwinkel von Bildung für nachhaltige Entwicklung steht die Biodiversitätskonvention exemplarisch für die gebotene Interdisziplinarität, indem sie ökologische, ökonomische und soziale Aspekte gleichermaßen und gleichgewichtig in den Blick nimmt. Sie tut das im Verbund mit der Agenda 21 auch in einem anderen wichtigen Aspekt, dem der globalen sozialen und Umweltverantwortung: Staaten sind dazu angehalten, in dem Maße zur Bewahrung der globalen Biodiversität beizutragen, wie sie für den Rückgang von Fauna und Flora direkt oder indirekt verantwortlich sind. Fachlich wie geopolitisch fordert die Biodiversitätskonvention also den Blick über den Tellerrand.

Ein solch komplexes Natur- und Naturschutzverständnis ist der typischen Klientel der Umweltbildung wie auch der entwicklungspolitischen Bildung weder vertraut noch spontan verständlich. Und es dürfte auf  längere Zeit das bedeutendste Anliegen eines einschlägigen Ansatzes von Bildung für nachhaltige Entwicklung sein, das Grundverständnis für einen ganzheitlichen, global verantwortlichen Blick auf den Biodiversitätsschutz zu entwickeln und zu schärfen.

Schon der Begriff "Biologische Vielfalt" ist den meisten Menschen nicht vertraut, geschweige denn Zusammenhänge zwischen Schutz und Nutzung oder die Tatsache höchst ungleicher Lastenverteilung beim Schutz von Fauna und Flora zwischen Nord und Süd; und auch nicht  die wahren Relationen der Verantwortung für den inzwischen weltweit dramatischen Verlust an Fauna und Flora zwischen Industrie- und Entwicklungsländern.

Wer kennt schon die Zusammenhänge zwischen der zu Lasten von Mensch wie Natur massiv expandierenden südostasiatischen Palmölindustrie und dem europäischen Bedarf an Pflanzenölen für die Herstellung von Margarine, Waschpulver oder jetzt verstärkt auch Biokraftstoff? Wem ist eigentlich bewusst, dass unser Land, das sich gerne als Weltmeister im Sammeln von Altpapier brüstet, den Einsatz entsprechender Recyclingprodukte praktisch verschmäht und statt dessen aus mehreren Dutzend Ländern Zellstoff einführt, für den nicht nur Plantagen sondern auch Naturwälder en gros geplündert werden. Oder wer weiß schon, dass allein in einem Land wie Brasilien für den Export von Soja, Kaffee, Orangensaft und anderen Genussmitteln für den deutschen Markt möglicherweise mehr Tier- und Pflanzenarten ausgerottet oder an den Rand des Aussterbens gebracht wurden als bei uns überhaupt vorkommen – ganz zu schweigen von den damit verbundenen Konsequenzen für lokale Bevölkerungsgruppen in Brasilien.

Betrachten wir diese Beispiele hier nicht weiter aus fachlicher, sondern aus pädagogischer Sicht, aus dem Blickwinkel eines Ansatzes von Bildung für nachhaltige Entwicklung. Wie die überwiegende Zahl der Themata des Nachhaltigkeitsdiskurses sind sie a priori negativ besetzt: Mensch wie Natur leiden, Umwelt wird zerstört, Tiere und Pflanzen sterben aus. Zusätzlich sind die Probleme weit weg, tangieren uns nicht persönlich und Mitverantwortung scheint schwer nachvollziehbar. Jedenfalls auf den ersten Blick.

Wir verfügen inzwischen allerdings über ein gewisses Maß an Erfahrungen mit neuen Ansätzen einer Bildung für nachhaltige Entwicklung, die das Thema Biodiversität in den Blick nehmen und die vermuteten Vermittlungsschwierigkeiten sehr wohl überbrücken konnten. Zur Veranschaulichung will ich hier nur ein Beispiel darstellen, ein fachlich-didaktischer Zugriff, der zudem noch in einer Grundschule erfolgreich umgesetzt wurde.

Ausgangspunkt war das zunächst ergebnisoffene Thema Afrika. Was fällt einer Grundschulklasse zu dem Thema spontan ein: natürlich Elefanten, Löwe, Nashorn und Co. Die einfache Frage, ob es vergleichbare Großtiere auch bei uns gibt, führte zu einer Recherche und dem Ergebnis, dass in Deutschland Wisent, Bär oder Wolf nur noch im Zoo zu bewundern sind, während vergleichbare Tiere in Afrika noch existieren und in Nationalparks wirkungsvoll geschützt werden. Von hier aus war es – auf Drängen der Kinder – nur noch ein kleiner Schritt zur Diskussion der Frage, ob wir nicht auch in Deutschland mehr Naturräume vorhalten sollten, damit größere, verdrängte Tiere bei uns wieder frei leben können. Aktuelle Berichte von nach Deutschland neu eingewanderten Wölfen oder die medienträchtige Geschichte des Bären Bruno verleihen einer solchen Debatte realistische Bezüge. Grund genug für die Schulklasse, ein Wisentfreigehege zu besuchen, mit einem Fachmann das Thema zu erörtern und sich eine Meinung zur – gesellschaftspolitisch hoch relevanten – Frage der Koexistenz von Großtieren und Menschen in unserer Kulturlandschaft zu bilden. Dass dabei auch ein anderes Bild von Afrika und seinen Naturschutzanstrengungen entstand, versteht sich fast von selbst. Dieser für die beteiligten Schüler und Schülerinnen ebenso so spannende wie nachweislich wirkungsvolle Projektunterricht erhielt übrigens den bezeichnenden Titel "Lernen von Afrika".

Er zeigt exemplarisch mehrere Dinge, die sich auch in einer Reihe anderer Programmsätze zum Thema Biodiversität bestätigten:

  • Es lassen sich fast immer Analogien oder direkte Bezüge herstellen zwischen einem globalen Umweltphänomen und seinem nationalen, regionalen oder sogar lokalen Pendant. Bezogen auf klassische Ansätze der Umweltpädagogik bedeutet dies, dass Ansätze einer Bildung für nachhaltige Entwicklung im oben definierten Sinn hierzu fast immer anschlussfähig sind.

  • Die Akzeptanz respektive Zugangsfähigkeit zu komplexen Themen des Nachhaltigkeitsdiskurses lässt sich augenscheinlich vielfach dadurch erleichtern, dass sie auch auf die Ebene betroffener Tier- oder Pflanzenarten respektive spezifischer Ökosysteme heruntergebrochen werden. Jedenfalls erweitert der Zugriff auf Biodiversitätsthemata das mögliche Sensibilisierungspotenzial.

  • Wenn Sensibilisierung der notwendige Schlüssel ist, um eine Klientelgruppe für die Behandlung eines zumindest subjektiv negativ besetzten Themas aufzuschließen, dann ist die Eröffnung von Handlungsmöglichkeiten - mindestens auf theoretischer Ebene, besser auf praktischer – ein ebenso wichtiger Bestandteil wirkungsvoller Programmansätze von Bildung für nachhaltige Entwicklung. Dies ist deshalb besonders zu betonen, weil es im Gegensatz zu vielen Ansätzen entwicklungspolitischer Bildung für Umweltbildungsansätze keineswegs selbstverständlich ist, Handlungsorientierung programmatisch einzubinden. Das Themenspektrum Biodiversität liefert auch dafür viele brauchbare Ansätze.

Summa summarum lässt sich feststellen, dass das Thema biologische Vielfalt vielleicht sogar in besonderer Weise geeignet ist, die Anliegen von Bildung für nachhaltige Entwicklung zu transportieren. Faktenvermittlung und Sensibilisierung, Kompetenzvermittlung sowie Anleitung und Anregung zum praktischen Handeln sind dabei wie bei anderen Ansätzen von Bildung für nachhaltige Entwicklung die wichtigsten Instrumente.

Während beispielsweise das Themenfeld "Nachhaltiger Umgang mit energetischen Ressourcen" heute bereits auf einen breiten Fundus effizienter didaktischer Instrumente zurückgreifen kann, befinden sich programmatische Ansätze im Themenfeld Biodiversität noch in einem relativ frühen Stadium. Die bislang erprobten Ansätze zeigen aber auch, wie notwendig konsequente Entwicklungsarbeit in diesem Sektor gerade für die Popularisierung des Nachhaltigkeitsdiskurses sein kann.

Um diesen Weg möglichst wirkungsvoll zu gestalten, drängen sich aus unserer Erfahrung einige Empfehlungen an die Promotoren einer – nicht nur Biodiversitäts-gestützten – Bildung für nachhaltige Entwicklung auf:

  • Die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen der entwicklungspolitischen Bildung und der Umweltbildung steckt unverändert in den Kinderschuhen. Beide "Disziplinen" verfügen jeweils über besondere Potenziale. Die Umweltbildung besitzt beispielsweise sehr große Erfahrung in der haptischen Sensibilisierung und Nutzung explorativer Themenzugänge. Für entwicklungspolitische Bildungsansätze ist die Integration solidarischen Handelns im Gegensatz zur Umweltbildung ein sehr vertrautes Instrumentarium. Während der eine Ansatz im Wesentlichen auf ökologischen Ansätzen fußt, ist der andere stark durch soziale Fokussierung geprägt. Gleiches gilt für die lokale bzw. globale Themensicht. Der verstärkte Dialog zwischen beiden Ansätzen würde nicht nur zu einer wechselseitigen Qualifizierung führen, sondern einen großen Fundus für die Entwicklung neuer Ansätze von Bildung für nachhaltige Entwicklung eröffnen. Man kann nur dazu raten, massiv in diesen interdisziplinären Dialog zu investieren. Das Thema Biodiversität in seinen vielfältigen Facetten wäre dafür ein guter Ansatzpunkt.

  • Aus dem Blickwinkel von Bildung für nachhaltige Entwicklung liegen große institutionelle Ressourcen bislang weitgehend brach. Ich meine zum Beispiel Zoologische und Botanische Gären, aber auch Naturkunde- und andere Museen, die über einen großen Fundus an nutzbaren Anschauungsobjekten verfügen, die sehr effektiv in die Entwicklung einschlägiger Programmangebote eingebunden werden könnten. Natürlich sind diese Institutionen auch selbst aufgerufen, sich stärker in den Dienst des gesellschaftlichen Nachhaltigkeitsdiskurses zu stellen. Aber auch hier könnten neue Synergien dadurch entstehen, dass etwa die zahlreichen privaten Programmanbieter aus dem Bereich der Umweltbildung Kooperationen suchen bzw. zu Kooperationen herausgefordert werden. Auch in diesem Sektor würde das Thema Biodiversität eine besondere Rolle spielen.

  • Durchaus mangelhaft ausgeprägt ist bislang auch der Dialog zwischen primär praktisch oder politisch arbeitenden Nichtregierungsorganisationen und den Strukturen und Akteuren gerade der Umweltbildung. Parallel ist in manchen größeren Naturschutzorganisationen sogar zu beobachten, dass Investitionen im Bereich der Bildung in den letzten Jahren zurückgefahren wurden. Bildung für nachhaltige Entwicklung kann und darf nicht unpolitisch sein. Die – wenn auch nicht zwanghafte – Politisierung einschlägiger Programmangebote ist mit Blick auf notwendige gesellschaftliche Mobilisierung unserer Auffassung nach genauso wichtig wie die Instrumente Sensibilisierung oder seriöse Faktenvermittlung. Die gebotene Handlungsorientierung lässt sich ohne Politisierung eigentlich gar nicht erzeugen. Es wäre deshalb äußerst wünschenswert, dass mindestens ein regelmäßiger Dialog zwischen den Akteuren von Bildung für nachhaltige Entwicklung und jenen politischer Aufklärungs- und Lobbyarbeit organisiert wird.

Natürlich gibt es längst punktuelle Kooperation in den angesprochenen Feldern. Aber gemessen an dem gesamten Potenzial sind sie heute noch nicht viel mehr als punktuelle Synergien. Bildung für nachhaltige Entwicklung könnte also eine neue Qualität erreichen und das Thema Biodiversität könnte auf Grund seiner besonderen Facetten dafür Basis wie Motor sein.


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