Kulturelle Vielfalt in globalisierten Produktions- und Konsumsystemen: Bildung und Qualifizierung in Wertschöpfungsketten gestalten
Von Carolin Baedeker und Christa Liedtke
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Die Gestaltung nachhaltigerer Produktions- und Konsummuster wurde bereits 1992 im Rahmen der United Nations Conference on Environment and Development (UNCED) 1992 in Rio de Janeiro als ein entscheidender Bestandteil einer nachhaltigen Entwicklung erkannt (vgl. z. B. Kapitel 4 der Agenda 21 "Veränderung der Konsumgewohnheiten"). Wichtige internationale Impulse und Zielsetzungen dafür ergaben sich aus den sich anschließenden globalen Prozessen, wie dem Weltgipfel in Johannesburg 2002, der Formulierung der Millennium-Entwicklungsziele, dem gegenwärtigen Marrakesch-Prozess für nachhaltigere Produktions- und Konsummuster sowie der UN-Dekade "Bildung für nachhaltige Entwicklung". Diesen Prozessen liegt die Dringlichkeit einer globalen Veränderung der Produktions- und Konsummuster und – damit eng verbunden – der Zugang der Menschen zu Ressourcen und Flächen, zu Wohlstand, Gesundheit, Chancengleichheit sowie zu qualitativ angemessener Bildung und persönlicher Entfaltung zu Grunde.
Die kulturelle Vielfalt weltweit ist dabei für die Verankerung und Umsetzung entscheidend. Denn nur unter Berücksichtigung der jeweiligen kulturellen Kontexte der einzelnen Gesellschaften können nachhaltige Werte- und Normmuster entstehen, entwickelt und unterstützt werden. Der enge Zusammenhang von kultureller Vielfalt und nachhaltiger Entwicklung wurde in den letzten Jahren z. B. in der UNESCO-Erklärung zur Kulturellen Vielfalt von 2001, dem UNESCO-Übereinkommen von 2005 und auch im Bericht des Umweltprogramms der Vereinten Nationen von 2004 "Kulturelle Freiheit in unserer Welt der Vielfalt" hervorgehoben.
Kultur wird von den Vereinten Nationen als die „Gesamtheit der einzigartigen geistigen, materiellen, intellektuellen und emotionalen Aspekte identifiziert, die eine Gesellschaft oder eine soziale Gruppe kennzeichnen. Dies schließt nicht nur Kunst und Literatur ein, sondern auch Lebensformen, die Grundrechte des Menschen, Wertsysteme, Traditionen und Glaubensrichtungen (Intergovernmental Conference on Cultural Policies for Developement 1998). Kulturelle Vielfalt bildet somit eine bedeutende Ressource für nachhaltige Entwicklung. Sie berücksichtigt die unterschiedlichen Lebensweisen und die Gestaltung nachhaltiger Lebensstile weltweit, die direkt auf das Ressourcenniveau, den Zugang zu Bildung, die Chancengleichheit, die Gesundheit etc. einwirken.
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???Großansicht des Bildes???Auszeichnung des Dekade-Projektes "Mut zur Nachhaltigkeit" auf der didacta 2007
in Köln © Freya DiepenbrockBildende
Kulturelle Vielfalt ist die Grundlage für sozialen Fortschritt
Der Begriff kulturelle Vielfalt ist verschieden konnotiert. Zum einen stellt kulturelle Vielfalt in sozialen Systemen eine wichtige Voraussetzung dar, um auf externe wie interne Anforderungen und Änderungen reagieren bzw. diese abpuffern zu können. Der Begriff umfasst in diesem Sinne, das lokal- bzw. regionalspezifische Vorhandensein eines kulturellen Selbstverständnisses, das dem Zusammenleben als soziales und ausgleichendes Gerüst dient. Andererseits werden mit diesem Begriff ganz konkret die Konsum- und Produktionsstile verbunden, die erhebliche Unterschiede aufweisen können, was z. B. das Ressourcenniveau betrifft. Kultur wird in diesem Kontext als Lebensstil begriffen, der sich über die Inanspruchnahme der Natur und deren Dienstleistungen äußert. Die derzeitige Gestaltung dieser Muster weist große Ungleichgewichte auf – innerhalb von Gesellschaften, zwischen Industrie- und Entwicklungsländern, zwischen Regionen. Diese daraus resultierende herkunftsbezogene Chancenungleichheit für Menschen lässt sich mit Hilfe von Indikatoren beschreiben, z. B. mit Hilfe des Zugangs zu Bildung (= Chance auf persönliche Entfaltung und Selbstbestimmung) oder anhand des Ressourcenverbrauchs (= Chance auf angemessenen Wohlstand). Zu große Ungleichheiten bzw. zu viele Stressfaktoren bergen immer die Gefahr in sich, ein System "zum Kippen" zu bringen, was sich durch Ressourcenverknappung (= Kampf um Wasser, Öl, Metalle), Bürgerkriege, Epidemien, Terrorismus (= soziale Unsicherheit) äußern kann. Zu groß werdende Unterschiede sind demnach Symptom einer nicht-nachhaltigen Entwicklung für Umwelt und Gesellschaften. Globale Wertschöpfungsketten können dies forcieren oder aber abfedern. Sie sind es, über die die Kulturen miteinander in Verbindung treten, sie sind es auch, die diese Ungleichheiten verfestigen oder lösen können. Aufgabe der "Konsum"-Länder (= heute die Konsumenten der Industrieländer und größer werdende Bevölkerungsteile der Schwellenländer) ist es daher, dass Management der Wertschöpfungsketten anhand nachhaltiger Kriterien auszurichten, die die kulturellen Besonderheiten berücksichtigen. Aufgabe der Politik ist es, einen global verlässlichen Rahmen zu schaffen, der eine nachhaltige Entwicklung fördert.
Wertschöpfungskette – Welt der kulturellen Vielfalt
Wertschöpfungen entstehen entlang von Produktketten. Unter Produktketten werden die einzelnen Produktionsschritte vom Rohstoffabbau über den Transport der Produktion hin zum Verkauf bis zur Entsorgung eines Endproduktes zusammengefasst. Eine solche komplexe Produktkette steckt hinter jedem Produkt. Ein normales deutsches Frühstück ist so international, dass mindestens 15 Länder an dessen Erzeugung beteiligt waren – die Welt zu Hause bei uns auf dem Frühstückstisch. Mit jeder gekauften Ware beeinflussen die Konsumenten die Organisation der Wertschöpfungskette, die Arbeitsbedingungen, die Bildungschancen, die Gesundheit etc. der beteiligten Menschen.
???Großansicht des Bildes???Internationales Frühstück © Wuppertal InstitutBildende
Mit zunehmender Globalisierung globalisieren sich auch – oder vor allem – die Produkt- und Wertschöpfungsketten. Aufgrund der unterschiedlichen Kostenniveaus für Arbeit, Rohstoffe und Umweltnutzung in den einzelnen Ländern, wird ein Produkt zunehmend global produziert. Somit wirken manchmal hunderte politisch-kulturelle Systeme auf eine Wertschöpfungskette ein (Baedeker 2005: 2). Eine globalisierte Produktkette führt zu ökonomischer Optimierung, wirft aber zugleich soziale Ungleichheiten sowie ökologische Probleme entlang der Wertschöpfungskette auf. Die Kostenunterschiede zwischen den Ländern führen neben der wirtschaftlichen Entwicklung unterentwickelter Regionen zu einer Intensivierung der Handelsströme und damit verbunden zu einer Steigerung des Energie- und Ressourcenverbrauchs, häufig auch zur Vernachlässigung von Gesundheits-, Arbeits- und Umweltschutz. Die Globalisierung der Wertschöpfungsketten führt zu einer Intensivierung der weltweiten Umweltbelastungen und zu einer verstärkten Belastung der Menschen und Ökosysteme in den Schwellen- und Entwicklungsländern. Die textile Kette ist hierfür ein gutes Beispiel. Sie ist in acht einzelne Phasen unterteilt: Baumwollanbau, Garn- und Flächenherstellung, Veredlung, Konfektion und Design, Transport, Handel und Vertrieb, Gebrauch und Pflege, Entsorgung und Recycling (vgl. Paulitsch/Rohn 2004).
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???Großansicht des Bildes???Einfache Darstellung der textilen Kette © Paulitsch et al. 2004Bildende
Um eine Nachhaltige Entwicklung voranzutreiben, sind daher neue, optimierte Innovationen entlang der gesamten Wertschöpfungskette gefragt. Notwendig sind Ressourcen- und Effizienzstrategien, die den Zusammenhang von Innovation und Ressourcenverbrauch entkoppeln (Schmidt-Bleek 2007: 211). Inzwischen entwickeln einige Unternehmen entsprechende Managementinstrumente, die darauf abzielen, den Ressourcenverbrauch zu verringern und CSR-Strategien zu entwickeln.
Ressourcenverbrauch als Beispiel globaler Ungleichheiten
Die weltweite Entnahme an fossilen Energieträgern, Baustoffen und Biomasse stieg zwischen 1980 und 2005 von 40 Milliarden Tonnen auf 53 Milliarden Tonnen (Giljum, Behrens, Hinterberger 2005). Das bedeutet:
In Deutschland werden über 70 Tonnen pro Jahr und Einwohner an Ressourcen aufgewendet, in Japan ca. 45 Tonnen, in Polen 30 und in China 37 Tonnen (Schätzungen für unterschiedliche Jahre; Bringezu 2004: 81f.), in den ärmsten afrikanischen und südasiatischen Ländern hingegen nur unter zwei Tonnen pro Jahr und Einwohner (Jäger 2007: 127).
Neben der Intensivierung und damit verbundenen Verstärkung der Umweltbelastungen lässt sich auch eine Verschiebung der Umweltbelastungen hin zu den Schwellen- und Entwicklungsländern anhand der Materialinputs der weltweiten Im- und Exporte sowie der Ressourcenentnahmen erkennen: So geht der Trend seit einigen Jahren dahin, dass die Ressourcenverbräuche der in der westlichen Welt produzierten Güter sinken, hier also eine Verbesserung der Umweltqualität zu erkennen ist, gleichzeitig aber mehr ressourcenintensive Güter aus Schwellen- und Entwicklungsländern importiert werden (vgl. Acosta, Bringezu 2007; Jäger 2007: 143).
Es ist davon auszugehen, dass sich dieser Trend der weltweiten Ressourcenentnahme verstärkt, denn in verschiedenen Weltregionen entstehen neue mächtige Wirtschaften mit entsprechender Nachfrage nach Konsumgütern, die für uns selbstverständlich zum täglichen Leben gehören: Autos, Fernseher, Waschmaschine, Notebooks, Telefone (Jäger 2007: 138). Würden diese Konsummuster seitens der Entwicklungs- und Schwellenländer übernommen, wäre der damit verbundene Anstieg des Ressourcenverbrauchs um ein Fünffaches größer (Schmidt-Bleek 2007: 143). Dieser Anstieg würde die ökologische Tragfähigkeit der Erde bei Weitem übersteigen und wäre demnach nicht zukunftsfähig.
Um eine nachhaltige Gesellschaftsentwicklung zu erreichen, müssen Lebensstil und Ressourcenverbrauch entkoppelt werden. Dafür bedarf es Bildung und Qualifikation. Denn um Nachhaltigkeit in Produktion und Konsum zu erreichen, ist Wissen und Kompetenz notwendig. Bildung für Nachhaltigkeit zielt darauf ab, die Menschen für die Gestaltung einer gelingenden, selbst verantwortbaren Zukunft zu mobilisieren (de Haan 2002). In diesem Sinne zielt sie also darauf ab, sozial-, individual- und umweltverträglich zu handeln. Dies soll u. a. über vorausschauendes und vernetztes Denken, komplexes interdisziplinäres Wissen, Verständigung und Kooperation zwischen den Kulturen und die Fähigkeit zum Selbstentwurf und zur Selbsttätigkeit erfolgen.
Die UN-Dekade "Bildung für nachhaltige Entwicklung" (2005-2014) will zur Realisierung des gesellschaftlichen Leitbilds einer nachhaltigen Entwicklung über entsprechende Bildungsprozesse weltweit beitragen. Sie hat zum Ziel, die Menschen zur aktiven Gestaltung einer ökologisch verträglichen, wirtschaftlich leistungsfähigen und sozial gerechten Umwelt unter Berücksichtigung globaler Aspekte zu befähigen. Dazu sind spezifische Kompetenzen und Wissensvermittlung notwendig. Eine nachhaltigere Entwicklung von Produktions- und Konsummuster ist dann möglich, wenn Nachhaltigkeit als Orientierungs- und Leitprinzip Eingang in individuelle und gesellschaftliche Entscheidungsprozesse und Strukturen sowie die kulturelle Praxis der Gesellschaften findet.
Zugang zur Bildung als ein wichtiges Millenniumsziel
In Deutschland kommen 83 Prozent aller Bürger in den Genuss einer Primärbildung (Human Development Report, 2004. United Nations Development Programme 2005). 88 Prozent aller bundesdeutschen Bürger haben eine Schulbildung bekommen und immerhin noch 24 Prozent eine Hochschulausbildung, eine höhere Fachausbildung oder einen höheren Fachschul-/Fachhochschulabschluss. Lediglich 2 Prozent der erwachsenen deutschen Bevölkerung sind Analphabeten.
Ganz anders stellt sich die Situation in Schwellenländern wie Vietnam und Indien dar. Dort genießen zwar genauso viele bzw. sogar mehr Kinder eine primäre Schulbildung (Indien: 83 Prozent, Vietnam: 94 Prozent), ab dem Sekundärbereich klafft die Schere zu Deutschland jedoch weit auseinander. In Indien bekommen im Vergleich zu Deutschland nur etwas mehr als die Hälfte der Bevölkerung eine Schulausbildung (49 Prozent), in Vietnam immerhin noch 65 Prozent. Noch deutlicher werden die Unterschiede im tertiären Bildungssystem. Lediglich 6 Prozent, in Vietnam sogar nur 5 Prozent der Bevölkerung haben die Möglichkeit dieses zu nutzen. Das entspricht nur einem Fünftel derjenigen, die in Deutschland eine Hochschule o. ä. besuchen. Die Analphabetenrate liegt in Vietnam bei 4 bis 8 Prozent, in Indien sogar bei 29 bis 37 Prozent.
Anhand dieser Zahlen ist ersichtlich, dass innerhalb von Ländern, die an gleichen Wertschöpfungsketten beteiligt sind, grobe Chancenungleichheiten im Bereich des Zugangs zu Bildung und Qualifikation bestehen. Diese Chancenungleichheit soll im Rahmen der Umsetzung der Millenniums-Entwicklungsziele bis 2015 behoben werden. Alle Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen haben sich mit den acht Entwicklungszielen geeinigt, eine zukunftsfähige und nachhaltige Weltentwicklung zu gewährleisten. Reiche und arme Länder verpflichteten sich darin, alles daran zu setzen, die Armut radikal zu reduzieren, die allgemeine Primärschulbildung für alle weltweit zu garantieren, die menschliche Würde und Gleichberechtigung zu fördern und Frieden, Demokratie und ökologische Zusammenarbeit zu verwirklichen. Dabei sind auch Ressourceneffizienz sowie Ressourcengerechtigkeit ein bedeutender Beitrag zur Erreichung dieser Ziele.
Maßnahmen – überall ist Bildung notwendig
Für eine nachhaltige Entwicklung muss die gesamte Wertschöpfungskette ressourceneffizienter organisiert werden. Sollen die Ressourcen nachhaltig genutzt werden, so muss der Verbrauch im Vergleich zu heute bis zum Jahr 2050 halbiert werden (Schmidt-Bleek 1994/2007). Eine solche Strategie wird als vorsorgend bezeichnet, da sie darauf abzielt, mögliche ökologische Risiken zu minimieren (vgl. Jäger 2007; Wagner 2007). Denn "grundsätzlich gilt: Je geringer der Input an natürlichen Ressourcen, desto ökointelligenter funktioniert eine Gesellschaft" (Jäger 2007: 151). Unter der Voraussetzung, dass alle Menschen gleiche Rechte auf Ressourcen haben, ist der zu leistende Beitrag der einzelnen Länder sehr unterschiedlich. Dieses Prinzip wird mit dem Faktor zehn ausgedrückt: Die Industrieländer sollten ihren Ressourcenverbrauch über Effizienz- und Suffizienzstrategien um den Faktor zehn senken, während die Entwicklungs- und Schwellenländern ihren Wohlstand mit möglichst ressourceneffizienten Produkten und Dienstleistungen entwickeln. Für die EU z. B. hieße dies, jährliche Raten von 4 bis 5 Prozent an Effizienzsteigerung zu erreichen – ein anspruchvolles und machbares Ziel (Kathy Beys Stiftung-Studie, Meyer 2007, ADL-WI-ISI Studie).
Um dies zu erreichen, ist eine umfassende Bildungs- und Qualifizierungsoffensive notwendig, die bei den Kindergärten anfangen und bis in die berufliche Aus- und Weiterbildung wie auch die Universitäten reichen sollte. Einen Beitrag im Rahmen der Erwachsenenbildung leistet die Bildungsinitiative "Mut zur Nachhaltigkeit" – ein Offizielles Dekade-Projekt.
Ressourceneffizienzsteigerungen in einem Produktions- oder Konsumschritt dürfen dabei nicht zu Lasten von Ressourceneffizienz in einem anderen führen. Eine solche Strategie zielt auf Produkt- und Prozessinnovationen sowie soziale Innovationen ab. Neben der Verbesserung von Technik müssen neue Konsumgüter und neue Produktionsverfahren entwickelt werden, denn Materialeffizienz kann durch die Gestaltung der Produkte, das Management der Prozesse und durch eine Service- statt einer Produktorientierung gesteigert werden (Jäger 2007: 155).
Ein gutes Beispiel für die Entwicklung nachhaltiger Produktionsketten ist das e-Textile Programm. Es zielt auf die Umsetzung systemischer Managementprozesse der Textilindustrie in Vietnam und Indien ab. e-Textile ist eine Online-Toolbox die darauf abzielt, die Textilindustrie zu einer effizienteren und saubereren Industrie zu entwickeln. Das Projekt richtet sich speziell an das Technik- und Managementpersonal der Textilindustrie in Vietnam und Indien und ist co-finanziert von dem EuropeAid ASI@ITC Programm der Europäischen Kommission. Die e-Textile Toolbox soll helfen, Kosten zu reduzieren, Effizienz und Produktivität zu steigern, Qualität und Umweltleistung auf den Standard zu bringen, der in den Exportmärkten bereits besteht, und Benchmarks aufzuzeigen. Hierfür stehen drei Tools zur Verfügung: Mit dem e-learning-Tool soll Wissen aufgebaut werden, das e-efficiency-Tool soll helfen, Effizienzmaßnahmen durchzusetzen und das e-solutions-Tool stellt Best-Available-Technologies vor, mit denen die spezifischen Herausforderungen für die einzelnen Unternehmen angegangen werden können.
Vorsorgestrategie Armutsreduktion
Die Reduktion der Armut steht in den Millenniumszielen an erster Stelle. Sie ist eng an das Thema Nachhaltigkeit gekoppelt, da sie eine Hauptursache für eine hohe Bevölkerungszahl, Klimawandel, Umweltbelastung und Ressourcenniveau ist (Münz/Reiterer 2007: 224f.). Chancengleichheit muss daher auch auf die Reduktion von Armut abzielen. Bildung hilft Armut zu reduzieren. Denn: Eine höhere Bildung ermöglicht eine bessere Integration in den Arbeitsmarkt und wirkt damit der Armut entgegen, die Höhe der Bildung korreliert zudem mit einer durchschnittlich geringeren Anzahl von Kindern, die dann wiederum besser ausgebildet werden können.
Während in Westeuropa nahezu jedes Kind ein Programm zur frühkindlichen Förderung besucht, sind es – nach der Zwischenbilanz der UNESCO zu den Millenniumszielen – in Lateinamerika und der Karibik über 60 Prozent, in den arabischen Staaten nur 17 Prozent und in Afrika südlich der Sahara nur 14 Prozent. Zwar gibt es Fortschritte, so sank die Zahl der Kinder im Grundschulalter die keine Schule besuchen gegenüber 1999 um mehr als 20 Millionen, außerdem ist die Zahl der weltweit eingeschulten Mädchen gestiegen. Weltweit werden jedoch noch immer über 70 Millionen Kinder keine Schule besuchen und ungefähr 774 Millionen erwachsene Menschen (ab 15 Jahre) sind Analphabeten, das heißt jeder Fünfte weltweit (UNESCO 2007).
Rund die Hälfte aller Kinder ohne jede Schulbildung leben südlich der Sahara, welche Zahl im Vergleich zu 1999 lediglich um rund fünf Millionen sank. In Süd- und Westasien wirkt sich dagegen die Geschlechterdimension stark aus: Es sind zu fast drei Vierteln Mädchen, die trotz Grundschulalters keine Schule besuchen.
Zu den wichtigsten Faktoren, die einen Schulbesuch verhindern oder zu einem Abbruch führen, gehören der Unterschied zwischen Stadt und Land, ein niedriges Bildungsniveau der Mutter, die schlechte Qualität des Unterrichts (überfüllte Klassenräume in schlechtem Zustand, fehlende Lehrbücher, zu wenig und kaum ausgebildete oder fehlende Lehrer), fehlende Angebote anschließender Sekundarbildung und in einigen Ländern die Benachteiligung von Frauen und Mädchen. Auch Schulgebühren sind ein großes Hindernis für den Zugang zu Bildung in armen Ländern, heißt es in dem UNESCO-Bericht. Die Gebühren machten bisweilen ein Drittel des gesamten verfügbaren Einkommens der Eltern aus (vgl. UNESCO-Weltbildungsbericht 2007).
Wo Frauen relativ gleichberechtigt sind, wo sie ein höheres Bildungsniveau erreichen und sie sich in der Berufswelt etablieren können, bekommen sie in der Regel erst später Kinder und dann vor allem weniger (vgl. Münz/Reiterer 2007: 122, 125f., Jäger 2007: 33ff.). Studien zeigen eindeutig, "ass besonders hohe Fruchtbarkeit und für Frauen schlechter Bildungszugang Hand in Hand gehen. Die zukünftige Entwicklung der Kinderzahlen hängt somit ganz zentral auch mit vorhandenen oder fehlenden Bildungschancen für Frauen zusammen" (Münz/Reiterer 2007: 296). Wo Frauen außerdem arbeiten, über Geld verfügen und Handel betreiben können, wirtschaften sie meist erfolgreicher als Männer und leisten zur Überwindung der extremen Armut einen unverzichtbaren Beitrag.
Fazit
Für die weltweite Gestaltung nachhaltigerer Produktions- und Konsummuster muss eine auf Bildung ausgerichtete Global Governance Architektur aufgebaut werden, bei der Akteure aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft gemeinsam an der Umsetzung der Millenniumsziele arbeiten. Hier sind von Bedeutung:
• höhere Investitionen vor allem im Bildungs- und Gesundheitswesen der Entwicklungsländer,
• Förderung der sozialen Gleichstellung von Mann und Frau,
• Maßnahmen zur weiteren Verbreitung der Familienplanung,
• sowie effizientere Produktionsmuster und suffiziente Konsummuster in den Industrienationen.
Wertschöpfungsketten bilden darin wegen ihrer globalen Vernetzung die Möglichkeit, Medium und Mittler einer Entwicklung in Richtung nachhaltiger Konsum- und Produktionsmuster zu werden. Hierzu werden entsprechende Management- und Controllinginstrumente, definierte Ziele wie die Millenniumsziele oder der Faktor 10-Ansatz für Industrieländer bis 2050 wie auch ein umfassendes, der kulturellen Vielfalt angemessenes, Bildungsprogramm benötigt.
Die Berücksichtigung der kulturellen Vielfalt entlang der Wertschöpfungsketten, mit unterschiedlichen Konsum- und Produktionsstilen, muss im Rahmen eines solchen Bildungsprogramms Berücksichtigung finden und entsprechend angepasst werden.
Literatur
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Internetquellen
Deutsche Energie-Agentur (dena)
Deutsche Materialeffizienzagentur (demea)
Internet-Portal "Bildung für nachhaltige Entwicklung"
Internet-Portal Ressourcenproduktivität
Plan of Implementation of the World Summit on Sustainable Development (pdf-Datei)
The UN Millennium Development Goals
World Summit on Sustainable Development
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